Volkswagen setzt auf "E-Lopez-Effekt"

21. November 2001, 19:22
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Online-Marktplatz nimmt den Betrieb auf

Wien - Im Falle von VW sei das Thema B2B (Business zu Business, internetbasierter Handel zwischen Unternehmen) bisher eher in Form von P2P gelaufen, witzeln Insider. Als Synonym für das, was Noch-Konzernchef Ferdinand Piëch mit seinem designierten Nachfolger Bernd Pischetsrieder aushandle.

Vorbei die Zeit der Scherze, Europas größter Autobauer macht Ernst und etabliert seinen eigenen Internet-Handelsplatz VWGroupSupply.com - DER STANDARD berichtete. Über das konzernweit einheitliche Lieferantenportal läuft künftig fast das gesamte Beschaffungsvolumen von über 50 Mrd. EURO der Marken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, VW und Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Die Entscheidung, anders als zunächst geplant eine private Plattform zu installieren, ist nach eingehenden Studien der kapitalmarktfinanzierten Konkurrenzveranstaltung Covisint gefallen. Dieser E-Marktplatz der Autoriesen DaimlerChrysler, Ford, GM und Renault/Nissan ist seit 2000 in Betrieb und gilt als typisches Kind der einstigen E-Commerce-Euphoritis. Besondere Schwachstelle, meinen Experten: die Sicherheit.

36 Milliarden US-Dollar Umsatz

Allein heuer wurden auf dieser weltgrößten B2B-Plattform bereits 36 Mrd. US-Dollar (rund 41 Mrd. EURO/ 564 Mrd. S) abgewickelt. Jüngstes Beispiel: DaimlerChrysler schrieb vor kurzem das bislang größte Einkaufspaket an PCs und Laptops (je 10.000 Stück) innerhalb eines webbasierten Bieteverfahrens aus. Der gesamte Konzernbedarf in Deutschland, USA, Brasilien, Südafrika sowie von Mitsubishi Motor wurde in einem Auftragsvolumen gebündelt und via Covisint ausgeschrieben. In wenigen Stunden wurden Angebote für 16 potenzielle Auftragspakete mit einem Gesamtvolumen von rund 30 Mio. EURO eingeholt. Auf klassischem Wege hätten diese Verhandlungen mehrere Wochen gedauert.

Vereinfachung der Beschaffungsvorgänge und Optimierung logistischer Abläufe steht auch bei VW im Vordergrund. Allerdings zeichnet sich - und das nicht nur in der Automobilbranche - der Trend zum Alleingang ab. Man wolle sich nicht, so ein VW-Manager gegenüber dem STANDARD, in die Karten blicken, also ausspionieren, lassen. Diese Gefahr, meint VW (und auch Toyota, wo man einen ähnlichen Weg plant wie VW), sei nämlich bei Covisint trotz aller Beteuerungen gegeben, es entstünden in jeder Hinsicht "gläserne Unternehmen". Und außerdem, merkte Jens Neumann, Vorstand für Konzernstrategie, polemisierend an, sei Covisint nicht viel mehr als ein großes Adressbuch. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, Printausgabe 22.11.2001)

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