Robert Redford und Oliver Stone wollen mit der Regierung "nicht ins Bett gehen"

21. November 2001, 21:11
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Furcht vor Einfluss auf Film und Fernsehen

Los Angeles - Robert Redford und Oliver Stone zählen zu den prominentesten Vertretern Hollywoods, die erstmals die Bush-Regierung wegen einer möglichen Einflussnahme auf Film und Fernsehen kritisiert haben. Nach einem Bericht der "Los Angeles Times" vom Montag wächst in der Filmstadt die Sorge, dass Washington sich zu stark in den kreativen Prozess einmischen könnte. Bei einem Treffen von Studio-Bossen und Bush-Berater Karl Rove ging es kürzlich um die Frage, welchen Beitrag die Unterhaltungsindustrie bei der Kriegsführung und Terrorismusbekämpfung leisten könne. Hollywood werde keine Propaganda machen, versicherte Rove anschließend. Keiner würde den Filmemachern in die Inhalte reinreden, bekräftigte auch der ehemalige Jagdflieger und jetzige Präsident der Motion Picture Association, Jack Valenti.

"Wenn es Ihnen nicht um Inhalte geht, um was dann?"

Doch Hollywoodstar Robert Redford hinterfragt in der "Los Angeles Times" die Absichten Washingtons. "Wenn es Ihnen nicht um Inhalte geht, um was dann?" Regisseur Oliver Stone, der in seinem Film "JFK" verschiedene Theorien über die Ermordung von John F.Kennedy zeigte, wirft der Regierung Zensur vor. Bereits der Wunsch der Politiker, Amerika in positiver Weise zu präsentieren, sei eine Form der Kontrolle. Larry Gelbart, Produzent der Fernseh-Satire "MASH", warnt Hollywood davor, mit der Regierung "ins Bett zu gehen".

Truppenunterhaltung

Bei dem Treffen der Entertainment-Spitze mit dem Regierungsvertreter ging es unter anderem um Themen wie Truppenunterhaltung in Übersee und Bekanntmachungen im Fernsehen und Radio, etwa um freiwillige Helfer anzuwerben. Die Studios und Filmverbände haben jeweils einen Vertreter bestimmt und ein Komitee gegründet, das die Pläne in die Tat umsetzen soll. Jerry Bruckheimer, Produzent des Blockbusters "Armageddon", will abwarten, welche Schritte die Studios unternehmen. "Wenn sie von Zensur reden, wäre das nicht gut." Wenn sie moralischen Auftrieb leisten wollen, dann sei er dafür, sagte Bruckheimer der "Los Angeles Times". Die Gespaltenheit und Unsicherheit Hollywoods bringt Robert Redford auf den Punkt. "Entweder spielt sich hier etwas sehr Heimtückisches oder etwas potenziell Gutes ab." (APA)

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