Hochprozentiger Schnaps als Verdauungsregler

21. November 2001, 22:13
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Zu viel behindert allerdings die Magenentleerung

Wien - Die Vorweihnachtszeit mit ihren vielen Betriebsfeiern ist ein Anschlag auf das körperliche Wohlbefinden und die schlanke Linie, der am Weihnachtsabend mit dem traditionellen Gansl oder Karpfen seinen vorläufigen Höhepunkt findet. Obwohl auch der Alkoholpegel dank Punsch, Glühwein und Sekt stetig steigt, greifen viele Schlemmer nach anhaltend reichlichem Essensgenuss noch zu Hochprozentigem. Schließlich soll Schnaps die Verdauung anregen. Konsumentenschützer haben die Wirksamkeit dieses alten Hausmittels "aufs Korn genommen".

Tatsächlich scheint Hochprozentiges in geringen Mengen nach dem Essen die Verdauung zu beflügeln, bestätigt das deutsche Verbraucherschutzmagazin Öko-Test. Nach einer Mahlzeit wird die Nahrung im Magen zerkleinert und mit Salzsäure durchmischt. Anschließend wandert sie in den Dünndarm, um dort in die einzelnen Nährstoffe aufgeschlossen zu werden. "Wer nach dem Essen ein Gläschen Schnaps trinkt, regt den Magen dazu an, mehr Salzsäure zu produzieren", erklärt der Berliner Biochemiker und Ernährungswissenschafter Harry Scharfschwerdt die Wirkung. Die Nahrung gelangt schneller vom Magen in den Darm, die Verdauung wird gefördert. Dass man sich nach einem Stamperl sofort erleichtert fühlt, halten Mediziner aber für Einbildung. Untersuchungen haben ergeben, dass alkoholische Getränke unterschiedlich wirken. Demnach eignen sich Kräuterschnäpse als Magenputzer besonders gut. Die Kräuter regen die Produktion der Magen- und Gallensäfte an. Die gleiche Wirkung erzielt man allerdings auch, wenn das Essen mit Kräutern gewürzt wird, so Professor Gerhard Rechkemmer, Leiter des Instituts für Ernährungsphysiologie der deutschen Bundesforschungsanstalt für Ernährung. Zuckerfreie alkoholische Getränke, etwa Korn, regen die Verdauung besser an als Cognac oder Whisky, die aus Wein oder Malz hergestellt werden. Korn ist ein naturreines Destillat aus Getreide und frei von Nebenprodukten. Cognac und Whisky dagegen seien mit Zuckerkulör oder Karamel gefärbt, die die Verdauung hemmen.

Mit Maß kommt man zum Ziel: "Zu viel Schnaps behindert die Magenentleerung", warnt Professor Helmut Seitz vom Heidelberger Krankenhaus Salem. Weil ein Teil des Alkohols sofort ins Blut und von dort ins Gehirn geht, blockiert er die Nerven, die dafür sorgen, dass die Speisen vom Magen in den Dünndarm wandern. Nur, weil man das Völlegefühl beseitigt, hat man die Waage aber noch nicht auf seiner Seite: Der Alkohol selbst hat nicht nur viele Kalorien (er ist fast genauso "schwergewichtig" wie Fett), im Gegensatz zur festen Nahrung geht das Stamperl Schnaps auch noch ohne irgendwelche Umwege direkt in den Fettspeicher des Körpers. Einige Angaben aus der Nährwerttabelle: Zwei Zentiliter Doppelkorn (38 Volumsprozent) bringen es immerhin auf 40 Kilokalorien (kcal), genau so viel wie die gleiche Menge Ouzo (38 Vol.-Prozent). Gin (45 Vol.-Prozent) schlägt schon mit 50 kcal zu Buche. Ganze 210 kcal verbergen sich in 0,1 Liter Whisky sour. (APA)

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