OECD nimmt Konjunkturprognosen für Österreich deutlich zurück

20. November 2001, 11:16
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1,25 Prozent BIP-Plus 2001, 1,5 Prozent 2002 - Konjunktur bis Ende 2002 schwach

Paris/Wien - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nimmt in ihrer jüngsten Konjunkturprognose (Economic Outlook No.70) die Wachstumserwartungen für Österreich deutlich zurück und geht für 2001 nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,25 Prozent aus. Das wirtschaftliche Entwicklung dürfte bis weit in das Jahr 2002 schwach bleiben, wodurch das BIP-Wachstum im kommenden Jahr mit 1,5 Prozent nur leicht steigen dürfte und erst 2003 mit plus 2,7 Prozent wieder an Fahrt gewinnen werde, erklärte die OECD am Dienstag.

Damit schätzt die Pariser Organisation die Konjunkturentwicklung dennoch etwas optimistischer als das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), dessen Leiter Helmut Kramer für heuer von einem realen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,0 Prozent oder etwas darüber ausgeht. In diese Richtung dürfte das Wifo am 20. Dezember seine Prognose zurücknehmen. Im September hatte das Wifo noch 1,3 Prozent Wachstum für dieses (bzw. 1,9 Prozent für kommendes) Jahr erwartet.

Zuletzt Wachstum von 2,3 Prozent vorhergesagt

Das OECD hatte zuletzt im Mai Österreich ein Wachstum von 2,3 Prozent in diesem und 2,5 Prozent für kommendes Jahr vorhergesagt. Das Wifo war im Juni für heuer noch von 1,7 Prozent bzw. von 2,2 Prozent BIP-Plus im kommenden Jahr ausgegangen.

Das Tempo der wirtschaftlichen Expansion in Österreich hat sich im ersten Halbjahr 2001 laut OECD auf ein BIP-Wachstum von 0,75 Prozent "drastisch verlangsamt". Die Gründe liegen in einer Abschwächung der Exporte in Folge der geringeren Welthandelsentwicklung sowie einer Verlangsamung der Inlandsnachfrage, da die Einkommen durch die höhere Inflation und Steuererhöhungen reduziert worden seien. Diese Entwicklung sei durch die Terroranschläge in den USA vom 11. September noch verstärkt worden.

Verschlechterung am Arbeitsmarkt

Auch am Arbeitsmarkt sei eine Verschlechterung eingetreten. Die Arbeitslosigkeit werde daher 2002 auf 5,3 Prozent weiter steigen, danach jedoch wieder auf 5,1 Prozent sinken, so die OECD. Auf Grund der anhaltend schwachen Nachfrage nach Wohnraum sei vor allem die Baubranche stark betroffen und werde wahrscheinlich auch weiterhin in der Flaute bleiben, rechnet die Pariser Organisation.

Die OECD merkte zwar positiv an, dass der Ausgleich im österreichischen Budget ein Jahr früher als geplant erreicht werde, das Null-Defizt dürfte angesichts der Konjunkturabschwächung aber nur schwer aufrecht zu erhalten sein. Auch wenn die automatischen Stabilisatoren zum Tragen kommen sollten, müßten die geplanten Budgetsparmaßnahmen dennoch voll umgesetzt werden, damit die Glaubwürdigkeit des Regierungsprogramms erhalten bleibe, so die OECD. Vor allem müßten die Einmalmaßnahmen auf der Einnahmenseite durch bleibende Einsparungen ersetzt werden.

Die OECD-Prognosen für Österreich seien jedoch mit großen Unsicherheiten behaftet, betont der Bericht. Eine ungünstigere Entwicklung könnte auch dann eintreten, wenn sich das innerösterreichische Klima weiter verschlechtert und der private Konsum deutlich gebremst werde. Die Wirtschaftsentwicklung könnte aber auch günstiger ausfallen, wenn sich die deutsche Wirtschaft, von der die österreichische stark abhänge, über Erwarten rasch erhole. (APA)

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