London dementiert Berichte über angeblichen Streit mit Washington

20. November 2001, 10:40
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Amerikaner und Briten setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei Afghanistan-Operationen

London - London hat Presseberichte dementiert, wonach die Verzögerungen bei der Entsendung weiterer britischer Soldaten nach Afghanistan auf Meinungsverschiedenheiten mit den USA zurückzuführen seien. Er habe die Berichte in der "Times" und im "Independent" mit "gewisser Verwunderung" gelesen, sagte Außenminister Jack Straw am Dienstag dem Radiosender BBC. Die britischen Soldaten in Afghanistan stünden unter US-Kommando.

Es gebe zwar "Diskussionen" über die Stationierung der Soldaten, aber keinen Streit, sagte der Minister. Laut den Zeitungsberichten wollen die USA vor allem die Jagd auf den von ihnen als Hauptterrordrahtzieher gesuchten Osama bin Laden und die Taliban-Führer vorantreiben, während London einen "humanitären Schwerpunkt" des Militäreinsatzes anstrebt.

Die Verzögerungen bei weiteren britischen Truppenentsendungen hätten weniger mit dem Widerstand der afghanischen Nordallianz als mit Bedenken Washingtons zu tun, schrieb die "Times" unter Berufung auf einen Mitarbeiter des britischen Verteidigungsministeriums. In der vergangenen Woche waren rund hundert britische Elitesoldaten auf dem ehemaligen sowjetischen Luftstützpunkt Baghram nördlich von Kabul stationiert worden. Nach offiziellen Angaben sollen sie dort humanitäre Hilfe für die Not leidende Bevölkerung vorbereiten. 6000 weitere britische Soldaten stehen auf Abruf bereit.

Die britische Regierung und der amtierende afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani hatten am Sonntag Berichte zurückgewiesen, wonach Mitglieder der Nordallianz die britischen Soldaten zum Verlassen des Flughafens Baghram aufgefordert haben sollen. In einem BBC-Interview erklärte der britische Innenminister David Blunkett, die meisten Anführer der Nordallianz hätten bisher "die begrenzte Intervention" begrüßt. Rabbani, der am Samstag nach Kabul zurückgekehrt war, stellte seinerseits klar, dass die Briten nicht zum Abzug aufgefordert seien. (APA)

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