Hilfsorganisation: Afghanistan droht verheerende Katastrophe

20. November 2001, 09:39
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"terre des hommes" fordert "Marshallplan"

Genf/Berlin - Afghanistan droht nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation "terre des hommes", die seit 1995 in dem Land tätig ist, in diesem Winter eine verheerende Katastrophe. "Wir haben Angst, mit einer der größten humanitären Katastrophen in diesem Jahrhundert konfrontiert zu werden", sagte der Koordinator der Organisation für Afghanistan, Reinhard Fichtl, am Montag in Berlin. Die Maßnahmen für das Land hätten im September anlaufen müssen, doch hätten die ausländischen Hilfsorganisationen Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA verlassen. "Wir sind zwei Monate zu spät", klagte Fichtl.

Die Anfang Oktober begonnenen US-amerikanischen Luftangriffe gegen Ziele in Afghanistan hätten eine "Logistiklücke von zwei Monaten gerissen, die wir nicht mehr auffangen können", sagte Fichtl. Die von den Vereinten Nationen angekündigten Getreidelieferungen würden die Menschen nicht erreichen, weil es an Verteilern fehle. "Niemand ist da, der sie verteilt." Die Organisation "terre des hommes" fordert einen "Marschallplan" für Afghanistan. Fichtl hatte seit dem Rückzug von "terre des hommes" aus Afghanistan die Hilfsaktionen aus der pakistanischen Grenzstadt Peshawar koordiniert.

"Terre des hommes" leistet mit 160 einheimischen Mitarbeitern unter anderem Hilfe für elternlose Straßenkinder und führt Gesundheitsprogramme für bedürftige Mütter und Kinder durch. Zentrale Anliegen von "terre des hommes" seien die Demilitarisierung aller Konfliktparteien sowie Friedensverhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen, betonte Fichtl. Wichtig sei auch, lokale Eliten am Aufbau des Landes zu beteiligen.

Gegründet wurde "terre des hommes" 1960 als Kinderhilfswerk von dem Schriftsteller und Dichter Edmond Kaiser, der im März 2000 im Alter von 86 Jahren in Indien verstarb. Kaiser wurde für sein humanitäres Wirken vor allem für behinderte und missbrauchte Kinder international ausgezeichnet. Der in der Schweiz eingebürgerte französische Philanthrop wurde nie müde, Kriegshetzer oder untätige und schwerfällige internationale Organisationen anzuprangern. "Sanft mit den Sanften, aber hart mit den Harten" lautete seine Devise. Die Organisation, die durch Spenden finanziert wird, lancierte zahlreiche Hilfskampagnen zu Gunsten von Kindern in Kriegs- und Krisengebieten wie Biafra, Vietnam, Kambodscha, Bangladesch, im Nahen Osten und der Westsahara. (APA/Reuters)

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