Mayr-Melnhof durchtaucht Krise

20. November 2001, 18:19
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Rekordergebnis in Sicht - Gröller wechselt 2002 in den Aufsichtsrat

Wien - Die börsenotierte Mayr-Melnhof Karton AG (MMK), Europas größter Hersteller von Karton und Faltschachteln, steuert trotz deutlich verschlechterter Konjunkturdaten heuer neuerlich auf ein Rekordergebnis zu. "Wir werden den Jahresüberschuss des Vorjahres von 66,7 Millionen Euro klar übertreffen", sagte Unternehmenssprecher Stephan Werba dem STANDARD.

Das Unternehmen, das in sieben Kartonwerken und 18 Faltschachtelbetrieben weltweit rund 5000 Mitarbeiter beschäftigt, profitiere nun in besonderem Maße von den Investitionen der Vergangenheit. Werba: "Wir sind Kostenführer und verdienen auch dann noch Geld, wenn andere längst Verluste machen."

Personelle Veränderungen stehen Mayr-Melnhof 2002 ins Haus. MMK-Chef Michael Gröller (61) wird aus dem Vorstand ausscheiden und den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Sein bisheriger Stellvertreter, Wilhelm Hörmanseder (47) soll MMK-Vorstandsvorsitzender werden. Beschlossen werden soll das von der Hauptversammlung am 14. März nächsten Jahres. Das von der Hauptversammlung bereits genehmigte Aktienrückkaufprogramm wird fortgesetzt. Bis jetzt hat das Unternehmen sieben Prozent der Aktien zurückgekauft, weitere drei Prozent sind noch geplant.

Produktionsstilllegungen

Mit Produktionsstilllegungen, Abbau von Überstunden und Urlaubstagen will Mayr-Melnhof die anhaltende Nachfrageschwäche durchtauchen. An Kurzarbeit sei derzeit nicht gedacht, sagte Unternehmenssprecher Werba.

Von Jänner bis September ist der Umsatz der MMK-Gruppe um 5,5 Prozent auf 848,5 Mio. EURO (11,6 Mrd. S) geklettert. Das Betriebsergebnis (Ebit) hat sich um 17,6 Prozent auf 84,2 Mio. EURO verbessert, der Jahresüberschuss lag mit 52 Mio. EURO um 27,9 Prozent höher. Im dritten Quartal musste das Unternehmen bei einem auf 287,6 (3. Quartal 2000: 275,4) Mio. EURO erhöhten Umsatz ein leicht schwächeres Ebit von 28,4 (28,7) Mio. EURO hinnehmen müssen. Werba führte dies auf schlechtere Preise im Überseegeschäft zurück. "Dort matchen wir uns mit Konkurrenten aus Asien, der Preisdruck ist enorm, wir kommen aber zu Deckungsbeiträgen", sagte Werba. Besser als bei Karton ist MMK derzeit in der Verpackungsdivision unterwegs. "Wir machen hauptsächlich Verpackungen für Güter des täglichen Bedarfs, wie Kekse oder Frühstücks-Cerealien. Werba: "Von Konsumzurückhaltung ist dort nichts zu bemerken." (stro, DER STANDARD, Printausgabe 21.11.2001)

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