Druck auf Lufthansa wegen drohenden Kündigungen

21. November 2001, 16:18
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Finanzminister Eichel will Entlassungen verhindern

- TM Offenbar Spar-Kompromiss mit Piloten in Sicht

Frankfurt (APA/AFP) - Bei der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa kommen nach der Ankündigung, dass wegen der Luftfahrtkrise nun bis zu 4.000 Stellen abgebaut werden sollen, die zuvor festgefahrenen Gespräche mit den Gewerkschaften über ein millionenschweres Sparprogramm wieder in Gang. Bei den wieder aufgenommenen Verhandlungen mit der Pilotenvereinigung Cockpit deutete sich am Mittwoch sogar eine Einigung an. Am Dienstagabend seien bei Sondierungsgesprächen neue Sparpakete vorgelegt worden, die jetzt diskutiert werden müssten, sagte Cockpit-Sprecher Georg Fongern in Frankfurt. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di machte deutlich, dass sie zur Fortsetzung der Gespräche für das Boden- und Kabinenpersonal grundsätzlich bereit sei. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) forderte die Lufthansa unterdessen auf, mit flexibleren Arbeitszeiten Kündigungen zu verhindern.

Lufthansa nennt keine konkreten Zahlen

"Die Gesprächsatmosphäre war sehr konstruktiv", sagte Fongern zu den neuen Verhandlungen mit der Konzernspitze. Er zeigte sich optimistisch, dass eine Lösung gefunden werden kann: "Wir kriegen das schon hin", betonte der Cockpit-Sprecher. Zum genauen Inhalt der Gespräche wollte er sich nicht äußern. Aus Kreisen des Unternehmens hieß es ebenfalls, dass die Verhandlungen "konstruktiv" gewesen seien, auch wenn die Situation weiter schwierig bleibe. Offiziell wollte sich die Lufthansa nicht äußern. Auch nannte sie weiterhin keine konkreten Zahlen zu den Kündigungen. Aus Unternehmenskreisen hatte es am Dienstag geheißen, dass 2.000 bis 4.000 Mitarbeiter gekündigt werden sollen.

Ver.di wertet den Beschluss des Lufthansa-Vorstandes, Kündigungen einzuleiten, als Druckmittel in den laufenden Verhandlungen. Der angekündigte Stellenabbau sei ein Versuch, die Gewerkschaften unter Druck zu setzen, erklärte Bundesvorstandsmitglied Jan Kahmann. Damit gefährde die Konzernspitze den Betriebsfrieden. Gewerkschaftssprecher Ingo Schwope machte zugleich deutlich, dass ver.di zu "ernsthaften Verhandlungen" bereit sei. Ziel bleibe, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Die Verhandlungen seien allerdings durch das Vorgehen der Lufthansa nicht erleichtert worden.

Finanzminister Eichel appellierte für flexiblere Arbeitszeiten "Wie äre es denn, wenn ihr mal über andere Arbeitszeitmodelle diskutiert, statt die Leute nach Hause zu schicken", sagte Eichel beim SPD-Parteitag in Nürnberg an die Adresse der Kranich-Linie gerichtet. Die Lufthansa hatte am Dienstag angekündigt, Kündigungen einleiten zu müssen. Sie nannte aber keine konkreten Zahlen. Nach Angaben des Konzerns soll in allen Geschäftsfeldern Mitarbeitern in der sechsmonatigen Probezeit gekündigt werden. Beim Kabinenpersonal wird demnach zunächst Kurzarbeit angestrebt. Wenn dies nicht reicht, soll es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Mit Blick auf die Verhandlungen mit den Gewerkschaften machte der Konzern zugleich deutlich, dass die Tür weiter offen sei. In Unternehmenskreisen hieß es, die jetzt eingeleiteten Maßnahmen seien bei einer Einigung "in gewisser Weise revidierbar".

Die Gespräche mit den Belegschaftsvertretern über ein millionenschweres Sparprogramm waren vor der Ankündigung der Entlassungen ohne Ergebnis unterbrochen worden. Ver.di hatte dies mit der Weigerung der Konzernleitung begründet, sich zum Verzicht auf betriebsbedingte Kündigung bereit zu erklären. Die Gewerkschaft hatte im Gegenzug ein Sparpaket im Umfang von 165 Mill. DM (84,4 Mill. Euro/1,161 Mrd. S) für das kommende Jahr angeboten. Die Cockpit-Beschäftgten hatten sich vor den neuen Gesprächen bereits bereit erklärt, die anstehende Gehaltserhöhung zu verschieben. Der Lufthansa reichten die Angebote aber nicht aus. Konzern-Chef Jürgen Weber hatte schon in der Vergangenheit für den Fall des Scheiterns des Sparprogramms mit Kündigungen gedroht. (APA)

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