FBI vermutet Einzeltäter hinter Anthrax-Briefen

20. November 2001, 10:14
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Geschlossene Senatsgebäude wieder offen

Washington - Der am vergangenen Freitag in Washington entdeckte mutmaßliche Milzbrand-Brief stammt nach Angaben der US-Bundespolizei FBI von dem selben Täter, der zuvor einen Brief mit Sporen der lebensgefährlichen Krankheit an Senator Tom Daschle geschickt hatte.

Der Brief an Senator Patrick Leahy sei äußerlich praktisch identisch mit dem an Daschle adressierten Brief, teilte das FBI am Montag mit. Das Absendedatum, die Absender-Adresse, die Handschrift und andere Eigenheiten hätten die Ermittler zu dem Schluss kommen lassen, dass beide Brief von ein und derselben Person aufgegeben worden seien. Die beiden nach dem Brieffund am Freitag geschlossenen Senatsgebäude wurden wieder geöffnet, da nach Angaben der Gesundheitsbehörde keine Gefahr für die Öffentlichkeit besteht.

Von New Jersey aus verschickt

Der Brief an Leahy sei ebenso wie der an Daschle am 9. Oktober in Trenton/New Jersey aufgegeben worden, teilte das FBI weiter mit. Dort wurden auch die anderen beiden Milzbrand-Briefe an den TV-Sender NBC und die Zeitung "New York Post" verschickt. Milzbrand-Sporen wurden auch in der Gefängnisverwaltung in Washington gefunden, wie das US-Justizministerium am Montag mitteilte. An zwei Stellen im Postraum seien geringe Mengen von Lungenmilzbrand-Erregern nachgewiesen worden. Die Mitarbeiter der Behörde wurden aufgefordert, ihren Dienst wie gewohnt anzutreten. Es bestehe nur geringe Infektionsgefahr.

Seit Anfang Oktober traten in den USA 17 Milzbranderkrankungen auf, darunter zehn Fälle der gefährlichsten Form, des Lungenmilzbrands. Vier Menschen, darunter zwei Mitarbeiter der US-Post in Washington, sind an der Krankheit gestorben. Milzbrand-Erreger werden als Biowaffe verwendet. Nach den Anschlägen mit entführten Flugzeugen am 11. September in New York und bei Washington haben die Milzbrand-Briefe die Furcht vor Anschlägen mit Bio-Waffen verstärkt. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September, für die die USA den moslemischen Extremisten Osama bin Laden verantwortlich machen, wurde nicht festgestellt.

Milzbrandspuren in US-Gefängnisbehörde

In einem Gebäude der US-Gefängnisbehörde in Washington sind nach offiziellen Angaben Spuren von Milzbrand gefunden worden. Das US-Justizministerium teilte am späten Montag Abend (Ortszeit) mit, die Erreger seien in der Poststelle der Behörde entdeckt worden. Für Mitarbeiter bestehe ein "minimales Risiko". Die Gesundheitsbehörde CDC habe die Verseuchung als "gering" eingestuft. (APA/Reuters)

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