Influenza: Noch ist Zeit für die Schutzimpfung

19. November 2001, 22:12
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Im Vorjahr starben 3000 Österreicher an "echter Grippe"

Wien - Wer derzeit an Husten, Fieber, Kopf- und Halsschmerzen leidet, hat keine Influenza, keine "echte Grippe", sondern leidet an einem grippalen Infekt, der durch andere, weit weniger gefährliche Viren hervorgerufen wird.

Eine Influenza-Epidemie wird laut Angaben des weltweiten Beobachtungsnetzwerks "FluNet" derzeit außerhalb Europas registriert: in Argentinien, Australien, Chile, Hongkong, Kanada, den USA und auf den Philippinen. Allerdings wurden auch in Norwegen, Lettland, Polen, Weißrussland, Frankreich und - in direkter Nachbarschaft - in Tschechien und der Schweiz, die ersten Influenza-Fälle gemeldet.

"Wann die Influenza-Saison bei uns beginnen wird, weiß man nicht", erklärt Franz Xaver Heinz, Virologe an der Uni Wien. "Bisher ist es in Österreich immer so um die Weihnachtszeit oder kurz danach losgegangen." Auch heuer wird wieder mit Todesfällen gerechnet.

Obwohl in der vergangenen Wintersaison in Österreich keine außergewöhnlich starke Influenza-Epidemie registriert wurde, starben nach jüngsten Hochrechnungen rund 3000 Menschen an den Komplikationen dieser potenziell lebensbedrohenden Viruserkrankung. Zwar hat sich die Bereitschaft der Österreicher zur Influenza-Immunisierung erhöht, doch sind nach wie vor erst 17 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft.

Fast alle Todesfälle betrafen ältere Menschen: In Österreich waren vergangene Saison rund 36 Prozent der über 60-Jährigen geimpft - in den USA 70 Prozent, wie der medizinische Onlineservice "MedAustria" berichtet.

Bei jungen Menschen konnte in Österreich die Influenza-Immunisierungsrate in den vergangenen Jahren nur von vier auf zwölf Prozent erhöht werden. In Japan wurde nachgewiesen, dass pro 420 gegen Influenza geschützten Kindern ein älterer Mensch weniger an der im Familienkreis übertragenen Krankheit stirbt.

Bis Ende Dezember läuft eine Aktion, bei der durch Margenverzichte bei Herstellern, Großhandel und Apothekern der Preis der Impfung gesenkt werden kann. Auch die Ärzteschaft beteiligt sich. Die meisten Vakzine kosten um die 110 Schilling (acht Euro), eines, speziell für Menschen über 65, kostet 157 S (11,4 EURO).

Vergangenes Jahr ließen sich knapp 950.000 Menschen impfen. Der heuer erwartete Erreger soll dem letztjährigen sehr ähnlich sein, "man muss sich schon jedes Jahr impfen lassen", sagt Heinz.

Übrigens schütze Wärme nicht vor echter oder unechter Grippe: Eine Erkältung habe nichts mit Kälte zu tun, erklären Wissenschafter. Und führen als Beweis ein scheinbares Paradoxon an: Just am Nord-und Südpol sei es unmöglich, sich eine Erkältung zuzuziehen. Als Erkältung bezeichnete Symptome seien ausnahmslos Viruserkrankungen, deren Erregern es gerade an den Polen zu kalt sei. Niedrige Temperatur seien höchstens eine Rutschbahn für die Erreger. Bei Kälte würden die Flimmerhärchen in den Atemwegen träge, könnten die Eindringlinge nicht mehr aus dem Körper bürsten. (fei, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 11. 2001)

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