Neue These: Massensterben hat es vielleicht nie gegeben

21. November 2001, 20:24
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Ozeanische Bewegungen könnten Lücken in die Fossiliengeschichte gerissen haben

Wien - Eine alternative Theorie zu den weithin unbestrittenen Massensterben von Tieren und Pflanzen in der Erdgeschichte liefert der Geologe Andy Gale von der University of Greenwich. Er argumentiert in einer Veröffentlichung in "Paleobiology", dass die bekannten Fossillücken nicht durch plötzliches Verschwinden von Arten, sondern durch Schwankungen des Ozeanspiegels zu erklären seien.

Die Massensterben

Derzeit geht die weit verbreitete Lehrmeinung davon aus, dass es in der Erdgeschichte rund ein Dutzend Massensterben gegeben hat, wobei jeweils bis zu 84 Prozent verschwanden. Das bekannteste dieser Ereignisse ist das Aussterben der Saurier am Ende der Kreidezeit. Diese Theorien berufen sich hauptsächlich auf Fossilienfunde oder besser, ab einem Zeitpunkt plötzlich nicht mehr vorhandene Überreste von Tierarten.

Der neue Erklärungsversuch

Doch nun präsentierte der Geologe eine Theorie, welche die beobachteten Fossilien-Lücken ebenso schlüssig erklären kann. So gab es während der Kreidezeit (146 bis 65 Millionen Jahre vor heute) global sehr warme Perioden, in denen der Spiegel der Ozeane erheblich angestiegen sein muss. Das Gebiet des heutigen Europas etwa muss dabei überflutet gewesen sein, lediglich höhere Gegenden haben als Insel-Archipel aus dem Wasser geragt.

"Das muss zu Wanderungen von Landbewohnern und Bewohnern flacher Meere geführt haben", so Gale. Als der Meeresspiegel dann wieder sank, gingen die Wanderungen wieder in die andere Richtung. Tote Tiere bildeten unter den bekannten Umständen - etwa in flachen Meeren - Fossilien, wobei die fossilienhältigen Sedimente aber während der Zeiten niedriger Meeresspiegel Regen, Wind und Eis ausgesetzt waren, und dadurch größtenteils zerstört wurden.

Die Wiederkehr

Gale belegt seine Theorie, dass manche der vermeintlich ausgestorbenen Tierarten nach Millionen von Jahren plötzlich wieder als Fossilien auftauchen. So könnten auch die Saurier nicht - wie bisher angenommen - einem Meteoriteneinschlag zum Opfer gefallen, sondern ganz allmählich ausgestorben sein. Dass die Dinosaurier sich bereits in einer länger anhaltenden Niedergangsphase befanden, als der Meteoriten-Einschlag sie auslöschte (oder eben nicht), ist ein schon länger bekanntes Faktum. Paläontologen argumentieren schon seit Jahren, dass der Meteorit ihnen nur noch den letzten Schlag versetzt habe - vielleicht ist seine Bedeutung ja sogar noch geringer als bisher angenommen. (APA)

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