Bakterien haben Sex mit Hamstern

21. November 2001, 12:04
posten

Hoffnung auf neue potente Genfähre

San Diego - Wie sich Bakterien untereinander paaren (und dabei auch ihre Antibiotikaresistenzen weitergeben), entdeckte Joshua Lederberg 1946 und erntete dafür einen Nobelpreis: Sie heften sich an ihren Partner, bilden eine Brücke - eine Art Penis - aus und schießen ihr Erbgut hinüber. Besteht das Erbgut aus DNA-Ringen (Plasmiden), spricht man von Konjugation.

Viel später erst zeigte sich zur Verwunderung der Fachwelt, dass sich die Minilebewesen bei ihren Paarungsgelüsten keineswegs auf Ihresgleichen beschränken: Das Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens etwa lässt sich auch regelmäßig mit Pflanzenzellen ein. Dass dies auch mit Säugetierzellen möglich sein könnte, hielt man für ausgeschlossen.

Und doch ist es möglich, wie Virginia Waters von der University of California in San Diego jetzt anhand von genmanipulierten Bakterien - sie baute ihnen ein vermehrungsfähiges Plasmid und ein Leuchtgen ein - und Hamsterzellen vorführte. Zwar geschieht dies im Labor nur äußerst selten, nur bei einer von 10.000 Zellen, und in der Natur vermutlich noch viel seltener. Und wenn es geschieht, wird die fremde DNA wahrscheinlich sofort vernichtet. Trotzdem hofft Virginia Waters, mit ihrer Entdeckung eine neue potente Genfähre zur Einschleusung von Reparaturgenen etwa in eine von Krebs befallene Lunge gefunden zu haben. Paarungsfreudige Bakterien, die ständig auf der Suche nach einem Partner sind, so die Vermutung, könnten beim DNA-Austausch erfolgreicher sein als weniger motivierte Fähren wie Viren.

Andere Wissenschafter melden jedoch Zweifel an. Außerdem sei zu bedenken, dass mit dieser Methode auch ungewollte Bakterien-DNA in den Organsimus gelangen könnte. (hk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 11. 2001)

Share if you care.