Zu großer Fuß für den Ökoschuh

19. November 2001, 20:19
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Österreich verbraucht mehr, als es produzieren kann

Wien - 7,7 Millionen Hektar umfasse die "bioproduktive" Fläche Österreichs, jenes Land, auf dem Pflanzen angebaut und Nutztiere gehalten werden, weiß Marina Fischer-Kowalski vom Institut für Soziale Ökologie der Uni Wien. Verbraucht werde Biomasse aus 21,2 Millionen Hektar, sprich: das Dreifache. "Auch für die Bewirtschaftung dieser Flächen tragen wir Verantwortung", meint die Soziologin.

Fischer ist eine Pionierin von Umweltbilanzen, in denen nicht einzelne Gifte oder Schadstoffe erhoben werden, sondern der gesamte "Stoffwechsel des Menschen mit der Natur". Eine dieser Bilanzen ist der "ökologische Fußabdruck", in den alles eingeht, mit dem der Mensch die Natur belastet. Fischer hat mit ihrem Mitarbeiter Fridolin Krausmann nun für Österreich Produktion und Konsum von Biomasse erhoben, vom Holz über die Nahrung bis hin zu den fossilen Energieträgern, die in jene Flächen umgerechnet werden, auf denen energiespendende und CO-aufnehmende Biomasse wachsen müsste.

"Unsere bioproduktive Fläche bleibt fast gleich, aber unser Biomasseverbrauch steigt seit 1988 um zehn Prozent", berichtet Krausmann, "und stärker als unser Konsum wächst unser Außenhandel." Und das in überraschenden Bereichen, etwa beim Holz: Österreich besitzt 38.000 Hektar Wald, hat aber im Jahr 2000 Holz von 50.000 Hektar importiert und Holzprodukte von 40.000 Hektar exportiert.

"Wir nutzen die Wälder in Sibirien und Skandinavien", weiten Fischer-Kowalski und Krausmann den Blick, "und wir nutzen die Felder Mittel-und Südamerikas: Wir importieren Sojafutter, etwa für die Schweinemast, von 350.000 Hektar. Diese Fläche ist so groß wie die, auf der wir selbst Brotgetreide anpflanzen."

In diese gewaltigen Stoffflüsse kann neben der Politik auch der Verbraucher eingreifen. Dort, wo es "Transfair-Produkte" gibt, die unter kontrollierten sozialen und ökologischen Bedingungen angebaut werden, etwa Kakao und Kaffee. Damit sind das Wohlergehen der Natur und - vor allem - ihrer Kultivierer auf 250.000 Hektar verbunden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 11. 2001)

Von Jürgen Langenbach
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