Erbarmen mit Europas Rechten!

20. November 2001, 18:59
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20. November 2001

Der normale Bürger, der friedlich am Gängleband der linken Journaille durchs Leben trottet, macht sich keinen Begriff davon, was Europas Ultrarechte leiden. Umso größer das Verdienst Andreas Mölzers, mit der Organisation eines Kongresses europäischer Rechtsausleger und der Berichterstattung darüber - in seinem von der schwarz-blauen Regierung wohl dotierten Wochenblatt "Zur Zeit" - auf die diversen völkischen Nöte und die Isolationsfolter hinzuweisen, der die Gegner der "political correctness" (Eigendefinition) ausgesetzt werden.

So wie einst in kultureller ist Mölzer für Jörg Haider nun in einer Sondermission unterwegs, die diesem erlaubt, dubiose Kontakte pflegen, aber auch leugnen zu können, wenn sie für einen Landeshauptmann ein wenig peinlich erscheinen sollten. Die offizielle FPÖ war bei dem Treffen daher eher mit Sonderlingen vertreten, angeführt von dem in die Volksanwaltschaft abgeschobenen freiheitlichen Politiker besonderen Formats, Exdobermann Ewald Stadler. Man machte aber das Beste daraus. Hier hatte "Zur Zeit" es geschafft, Vertreter des freiheitlichen Lagers aufzubieten, die zwar keineswegs mit der heutigen Parteispitze ident sind, deren Kraft und Persönlichkeit aber für die Vergangenheit sowie für die Zukunft des freiheitlichen Bereiches maßgeblich sein dürften. Wenn sie dieser Anforderung gerecht werden wollen, müssen sich Bundesrat Gudenus und Stadtrat Herzog aber beeilen.

Der Kampf um die Gunst des Führers wird unter den Rechten heute nicht weniger hart geführt als einst. Daher schwärzt Mölzer den FP-Generalsekretär Peter Sichrovsky kräftig an. Wenn dieser nach dem Kongress der Ultras äußerte, die Freiheitlichen hätten "weder die Absicht noch das Ziel, gemeinsam mit sogenannten Rechten oder rechtsextremen Parteien in Europa zusammenzuarbeiten oder gemeinsame Listen für nationale oder europaweite Wahlen zu erstellen", verwunderte dies keineswegs. Verharrt die offizielle freiheitliche Parteispitze doch seit Jahr und Tag in dem Verhaltensmuster, wonach sich die Ausgegrenzten gegenseitig ausgrenzen.

Ganz anders die inoffizielle, also wahre freiheitliche Parteispitze. Der starke Mann der FPÖ, der Kärntner Landeshauptmann, hingegen hat in Hintergrundgesprächen immer wieder punktuelles Interesse an der einen oder anderen Gruppierung angemeldet. Das allerdings bereits zu einer Zeit, da Peter Sichrovsky noch nicht in der Jungen Freiheit und anderen konservativen Blättern seine Meinungen publizierte, sondern noch in Mainstream-Medien, wie etwa dem "Standard", ein integrierter Bestandteil der Haider-Jagdgesellschaft war.

Wie Sichrovsky da als Ehemaliger entlarvt wird, das sitzt. Daher sind auch andere seiner Behauptungen einigermaßen substanzlos, und Sichrovskys Presseaussendung, wonach sich die Freiheitlichen "nicht nach klischeehaften links-rechts-Ideologien richten" erscheint . . . als eher rührender Versuch, Glücklosigkeit und Untätigkeit zu überspielen. Der naive Rechtsextremist mag sich da fragen, wie die inoffizielle Spitze sich nur in ihrer Personalauswahl derart vertun konnte, wo doch die Einigkeit aller Rechten das Gebot der Stunde sein müsste.

Denn der Hut brennt, und die Losung muss lauten: Schweigespirale durchbrechen. Der wirkliche Feind, das sind die Medien, wie nicht nur Ewald Stadler erkennt. Außer der Zeitung "Zur Zeit" gibt es keine Zeitung und natürlich auch kein Medium im Fernseh-oder Radiobereich, das rechtes Gedankengut und politische Inhalte, die nicht links sind, zuläßt. Es wäre schon viel erreicht, wenn es Medien gäbe, die zumindest nicht den gesamten linken Mainstream jeden Tag über die Leute ergießen würden. Sogenannte bürgerliche Zeitungen sind hier leider keine Ausnahme.

Die "Krone", "Die Presse", womöglich sogar die "Vorarlberger Nachrichten" in den Klauen der Gutmenschen! Und anderswo ist es nicht besser. Bruno Mégret, abgespaltener Le-Pen-Kumpel, sah bei dem Kongress seine Bewegung als erstes "demokratisches Opfer" der Medienhetze gegen rechts an. In Frankreich, so bekräftigte der MNR-Präsident, seien die Medien längst von ihrer ursprünglichen Rolle als vierte Kraft an die Spitze des Staates gewandert, wo doch er stehen müsste, ginge es gerecht zu. Politiker wie Mégret werden entweder totgeschwiegen oder medial verteufelt. Aber nicht mehr lange herrscht die Diktatur der linken Journaille, denn damit teilen die Medien ihr Schicksal mit den totalitären Regimen dieser Welt, die mehr und mehr verfallen.

Und in Ungarn? Welchen Druck die mediale Diffamierung erzeugt, deutete Csurka - auch Istvan war "Zur Zeit"-Gast - damit an, daß er sich gewundert hat, daß die Vizekanzlerin kein Interesse daran gezeigt hätte, bei ihrem Ungarnbesuch Vertreter der MIEP kennenlernen zu wollen. Sonst ist sie nicht so geschreckt. Und dass Deutschland ein "politisches Entwicklungsland in semitotalitärem Zustand" ist, weiß doch jeder. Einer der letzten "Aufrechten" in der CDU, Heinrich Lummer kann Schlimmes berichten: Am Umgang mit Menschen anderer Gesinnung würden, so Lummer, schnell die Methoden der linken Journaille sichtbar: Manchmal befleißige man sich sehr subtiler Mittel, dann wieder werde ganz brutal zugeschlagen. Nur vom Baltikum kommen bessere Nachrichten: Estnische Medien fairer. Aber die Delegierte von dort kann melden: "Bei uns gibt es keine richtigen Linken!"

Das hat Estland mit "Zur Zeit" gemein. Daher schreibt das Blatt stets objektiv und hat sich Presseförderung redlich verdient. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. November 2001)

Von Günter Traxler
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