Den Stars schwer vermittelbar

20. November 2001, 13:57
3 Postings

Neue ORF-Agentur muss auf große Namen des Küniglbergs verzichten - Zehn Prozent der Gage gehen an den ORF

Wien - Unter ORF-Bildschirmgrößen machte ein knappes Mail die Runde. Betreff: "Connection Unlimited". So heißt der Versuch des ORF, seine Stars für Firmenevents und dergleichen zu vermitteln. Manchem Betroffenen freilich ist der Vorteil der Agentur unter dem Dach der ORF-Vermarktungstochter Enterprise nur schwer vermittelbar. "ZiB"-Sprecherin Hannelore Veit: "Ich brauche das nicht. Haben Sie jemand gefunden, der das tut?"

"Super für die, die das brauchen"

Die Enterprise verweist auf die Betreuung von 27 "Taxi Orange"-Teilnehmern. Bereits bekannte ORF-Größen indes lässt das Angebot eher kalt. "Super für die, die das brauchen", meint "ZiB"-Mann Josef Broukal auf STANDARD-Anfrage. Er und viele Kollegen aber seien "prospektiven Kunden ja vom Schirm sehr gut bekannt". Also stelle sich weder die Frage nach einer Agentur noch nach Provision für diese. "Jeder weiß, wo er mich findet", winkt Christa Kummer vom Wetter ab.

10 Prozent für Connection Unlimited

Zehn Prozent ihrer Gage sollen die ORF-Promis nach STANDARD-Informationen Connection Unlimited abliefern. Was etwa Georg Hoanzl durchaus bescheiden findet, der die meisten Kabarettstars betreut und "schon überlegt" hat, ORF-Menschen seine Dienste anzubieten. Je nach Leistung liege der Branchenschnitt bei 20 Prozent.

Mehr Verständnis fände Broukal, hätte der ORF-Chef selbst ob kräftiger Einbußen 2002 an die Solidarität mit dem Unternehmen appelliert. Weniger bei trockenen Mails.

Auch wenn man sich allen anbot, meint Paul Marko (Enterprise): "Wir sehen das vor allem als Service für die Jungen." Rund 20 betreue man abseits der Taxler. Großteils aus dem Radio, aber auch etwa Roland Adrowitzer ("ZiB 2") und Sportler abseits des ORF.

Rechte, die "nicht einmal Finanzbehörden haben"

Erzürnt hat manchen ORF-Mitarbeiter der Mustervertrag. Der räume dem ORF Rechte ein, die "nicht einmal Finanzbehörden haben", meint einer und nennt "Zutritt zu Privaträumen". "Davon steht nichts drin", entgegnet ORF-Manager Alexander Wrabetz. Lediglich "zur Verschwiegenheit verpflichteten Wirtschaftsprüfern" sei Einsicht in die Bücher zu gewähren.

"Nicht vorstellen" kann er sich, dass Vorgesetzte auf ORF-Mitarbeiter Druck in Richtung Connection Unlimited ausübten. Für Enterprise-Events aber würden wohl Vertragsnehmer vorgezogen. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 20. November 2001)

Share if you care.