Drei Gesichter der Verführung

22. November 2001, 17:56
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Casanova-Ballett in Innsbruck uraufgeführt

Innsbruck - Erfolg für den fantasievollen Tanzschöpfer und Ballettchef Jochen Ulrich, mit dem Innsbruck das große Los gezogen hat: Seine neue Kreation "Casanova" tauchte das Große Haus des Tiroler Landestheaters in einen dynamischen Rausch, in dem Körper, Farbe, Licht, Erotik, Musik elegant verschmolzen.

Ulrich erfand die Geschichte des Verführers neu, verknüpfte sie mit dem Don-Juan-Mythos und lässt den in drei Figuren Auftretenden seine Suche nach Erfüllung in Festen und Momenten intimer Zärtlichkeit, in den Bleikammern Venedigs und bei Verfolgungsjagden ausleben.

Dazu hat Alfio Giuffrida mit zwei beweglichen, das variable Licht effektvoll reflektierenden Metallelementen wechselnde Räume geschaffen, die Bjanka Ursulovs Kostüme ästhetisch gut ergänzen. Auch Peter Kubiks Musik determiniert die Atmosphäre, wenn Lullys barocke Festlichkeit, Sibelius' schwärmerische Sehnsucht und Nino Rotas Filmmusik die Wechselbäder der Gefühle zeitlos widerspiegeln.

Bei allem äußeren Glanz erlebt man die obsessive Getriebenheit des Suchenden doch auch als düsteres Geschick: Wenn Casanova - von den drei rasanten Tänzern Fabrice Jucquois, Ferdinand Holeva und Claudi Bombardo passioniert und differenziert verkörpert - sich Glücksmomente beschert, so provoziert er doch auch Leid und Rache. Pascal Sani stirbt als Komtur, Daniel Cimpean trägt als Don Ottavio sein Schicksal mit Fassung.

Zärtliche Donna

Die Frauen freilich verklären die Begegnung mit dem Unwiderstehlichen: Irene Bauer als zärtliche Donna Anna, die temperamentgeladene Elvira der Sarah Deltenre, die mit ihren Koffern über die Bühne wirbelt, die lyische Henriette der innigen Katharina Neuweg. In der furiosen Dagmar Kostolnikova findet Casanova eine Zarin Katharina, die dem Abenteurer nichts schuldig bleibt.

Ein virtuoser, liebenswerter Leporello ist Eric Trottier, sein Pas de deux mit Elvira ein Höhepunkt getanzter Komödiantik. Den kampfeslustigen Branicki verkörpert vital Frantisek Kostolnik. Ulrichs witzige Erfindung der skurrilen Infanten, die sich ungebremst grotesk und spielerisch überall einmischen, mimisch und gestisch das Geschehen begleiten, sorgt für ziemlich heitere Laune.
(höpf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.11. 2001)

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