Jung, rot, leicht aufmüpfig

19. November 2001, 17:26
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Junge Generation in der SPÖ will die Partei reformieren

Wien - "Der Einfluss der über Sechzigjährigen im Klub ist unverdient hoch", sagt Jörg Leichtfried. Der 34-jährige ist Chef der Jungen Generation in der SPÖ und steirischer Parteiobmannstellvertreter.

Er gibt damit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl Recht, der in einem Standard- Interview eine Verjüngung des Parlamentsklubs der SPÖ gefordert und als positives Beispiel Finanzsprecher Rudolf Edlinger genannt hatte, der angeblich für sich selbst schon Nachfolger sucht.

Probleme mit Jungwählern

Leichtfried bohrt aber noch tiefer in den Parteiwunden: "Der größte Teil der Abgeordneten ist noch aus der Zeit der großen Koalition, und die haben teilweise noch nicht begriffen, dass sich die SPÖ in Opposition befindet." Diesbezüglich habe man in der "Jungen Generation" einen Erfahrungsvorsprung: sozusagen als ewige Opposition in der eigenen Partei. "Die Jugendorganisationen haben nicht das Gewicht, das sie haben sollten", meint Leichtfried. Dabei wisse jeder, dass die SPÖ gerade bei Jungwählern große Probleme habe. Allein seine Organisation könnte "locker" 20 Nationalräte nachbesetzen. Trotzdem sei es schwierig, Junge für die Partei zu gewinnen: "Sie wollen mitentscheiden und nicht fünf Jahre Plakate picken, bis sie den Mund aufmachen dürfen."

Kritik am "Bezirkskaisertum"

Der Vorsitzende der Sozialistischen Jugend, Andi Kollross, hört Häupls Ankündigungen mit Skepsis: "Von Verjüngung wird im SP-Klub schon seit 30 Jahren gesprochen." Strukturell sei das leichter gesagt als getan: "Da hat sich ein Bezirkskaisertum eingebürgert, das den direkt gewählten Vertretern eben automatisch einen Sitz im Klub beschert." Andererseits mache die Repräsentanz durch direkt gewählte Mandatare durchaus Sinn, will Kollross keine Wahlrechtsdiskussion heraufbeschwören: "Eigentlich hilft nur eines: Stärker werden, damit wir mehr Mandate besetzen können. Und bei nicht direkt vergebenen Mandaten eben Jüngere auf die vorderen Listenplätze setzen."

Die Jüngste im roten Parlamentsklub, Umweltsprecherin Uli Sima (Jahrgang 1968), kann sich mit Häupls Vorstoß durchaus anfreunden. Das Beispiel des Wiener Gemeinderates, in dem die SPÖ konsequent auf die junge Linie gesetzt habe, sei "nachahmenswert". Zwar habe 1999 mit Alfred Gusenbauer, Josef Cap, Andrea Kuntzl und Doris Bures eine Verjüngung begonnen, die so konsequent im Parlamentsklub aber nicht fortgesetzt worden sei. Den Älteren die Tür weisen will Sima aber auch nicht: "Es kommt mehr auf das Politikverständnis als auf das Alter an."

"Interventionitis"

Wobei sie, Sima, mit altem Politikverständnis unausgesprochen meint, was ein anderer SPler unfein mit "Interventionitis" umschreibt: "Da gibt es einige, die ihr ganzes politisches Leben gewohnt waren, sich alles mit der ÖVP auszupackeln. Die laufen ziemlich verzweifelt im Kreis, seit ihnen die Schwarzen abhanden gekommen sind."

Klubobmann Josef Cap, der wie Parteichef Gusenbauer aus den Reihen der Jugendorganisationen kommt und einst selbst als Parteirevolutionär auftrat, sieht hingegen keinen akuten Handlungsbedarf. "Wir haben eine sehr junge und sehr gute Truppe." Cap (49) spielt postwendend den Ball an die Parteijugend zurück: "Es könnten ja viel mehr Leute bei der Jungen Generation mitmachen." Ansonsten empfindet er Jugend allein nicht automatisch als Wettbewerbsvorteil: "Was zählt, ist Qualifikation, Redefähigkeit und Verankerung im Wahlbezirk." Insofern sei gerade Edlinger besonders wichtig: Er bringe hohe Erfahrung mit und sei ein guter Redner. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 20.11.2001)

Der Wiener Bürgermeister gab den Anstoß - und die Parteijugend nahm die Anregung dankbar auf. Der Parlamentsklub der Sozialdemokraten brauche eine Verjüngungskur, lautet der Tenor, der bei Klubobmann Josef Cap nicht so recht ankommen will. Samo Kobenter und Martina Salomon hörten sich in der SPÖ um.
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