Umfragen: Klarer Vorsprung für Opposition in Dänemark

19. November 2001, 16:44
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Sozialdemokraten müssen mit dem Verlust der Regierungsmehrheit rechnen - im Bild Premierminister Poul Nyrup Rasmussen

Regierungswechsel nach acht Jahren wahrscheinlich Kopenhagen - Bei der dänischen Parlamentswahl am Dienstag müssen die Sozialdemokraten von Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen mit dem Verlust der Regierungsmehrheit rechnen. Aus allen am Montag von Zeitungen veröffentlichten Umfragen geht die rechtsliberale Partei "Venstre" von Oppositionschef Anders Fogh Rasmussen als stärkste Kraft vor den seit 1993 regierenden Sozialdemokraten hervor.

"Venstre" dürfte demnach gemeinsam mit den Konservativen, der Dänischen Volkspartei und zwei weiteren Parteien aus dem Mitte-Rechts-Lager auf 95 bis 100 der insgesamt 175 Mandate im neuen "Folketing" kommen. Dem gegenüber ergaben die Umfragen nur 75 bis 80 für die Sozialdemokraten mit ihren sozial-liberalen Koalitionspartnern "Radikale Venstre" und zwei weiteren Stützparteien. Derzeit verfügt die Regierungskoalition über eine Mehrheit von nur einer Stimme.

Schlechtestes Ergebnis seit 1973

Bei der von der Zeitung "Politiken" veröffentlichten Umfrage des Vilstrup-Institutes erhielten die Sozialdemokraten nur 26,6 Prozent gegenüber 35,9 Prozent bei der vorangegangenen Wahl im März 1998. Das wäre ihr schlechtestes Ergebnis seit 1973, als sie auf 25,8 Prozent kamen. Die Rechtsliberalen kamen in der Umfrage auf 31,9 Prozent gegenüber bisher 24,0 Prozent. Nach einer in der Tageszeitung "Berlingske Tidende" veröffentlichten Gallup-Umfrage konnten die Sozialdemokraten allerdings zuletzt geringfügig aufholen und liegen unmittelbar vor der Wahl bei 29,4 Prozent gegenüber 30,2 Prozent für "Venstre".

Bei den letzten Wahlen 1998 war die Mitte-Rechts-Opposition in den Umfragen ebenfalls klar vorne gewesen. Damals hatten die Sozialdemokraten die Wahl allerdings doch noch knapp gewonnen.

Wahlkampfthema Zuwanderung

Die Meinungsforscher rechnen nach dem nur dreiwöchigen Wahlkampf mit einer hohen Beteiligung unter den rund vier Millionen Stimmberechtigten. Poul Nyrup Rasmussen hatte die Wahl vier Monate vor Ablauf der Legislaturperiode ausgeschrieben. Als Hintergrund für die Entscheidung hatten Meinungsumfragen gegolten, wonach die Sozialdemokraten wieder über die 30-Prozent-Marke gekommen wären. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes stand die Ausländerpolitik, bei der beide Spitzenkandidaten für deutliche Verschärfungen der Einwanderungsbestimmungen eintraten. Beobachter haben den nach internationalen Maßstäben ungewöhnlich harten Ton gegenüber Ausländern im Wahlkampf kritisiert.

Die Sozialdemokraten im benachbarten Norwegen hatten im September bei der Parlamentswahl die Regierungsmehrheit mit dem schlechtesten Ergebnis seit 1922 verloren und waren nur noch auf 24,4 Prozent gegenüber 36,0 Prozent gekommen. (APA/dpa)

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