Ein Kulturbudget, das sowohl steigt als auch sinkt

20. November 2001, 19:15
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Wien: Mailath verspricht Bau des Kindertheaters

Wien - Steigt das Wiener Kulturbudget 2002 oder sinkt es? Die Grünen verglichen, wie berichtet, den Budgetansatz mit jenem des heurigen Jahres und glauben, eine Reduktion feststellen zu können. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) hingegen behauptet, es steige: Mit einem Volumen von 2,384 Milliarden Schilling (173,26 Mio. Euro) sei es das größte in der Geschichte.

Er räumt aber ein, dass in diesem Betrag auch der Wissenschaftsetat sowie erstmals die Personalkosten enthalten seien. Der Kernbereich - Mailath spricht vom "Ordinarium" - werde dennoch von 128,47 Millionen EURO auf deren 133,23 angehoben, was einer Steigerung von 3,7 Prozent entspricht. Die zusätzlichen Mittel sollen u. a. zur Unterstützung österreichischer Dramatiker und deren verstärkte Aufführung an Wiener Bühnen verwendet werden.

Die Grünen rechnen aber die Sonderprojekte hinzu, die sich heuer ordentlich zu Buche geschlagen hatten: Über diesen Weg wurde z. B. der Bau des Museumsquartiers und Peter Steins Faust mitfinanziert. Diese Posten fallen 2002 nicht mehr an. Im Bereich Sonderfinanzierung kommt es daher zu einer massiven Reduktion von 12,08 auf 3,85 Millionen EURO. Stadtrat Peter Marboe (VP), Mailaths Vorgänger, fasst zusammen: "Das Kulturbudget steigt formal - und sinkt substantiell."

Es können aber 2002 noch neue Projekte mit außertourlichen Budgetmittel bedacht werden. So will Mailath z. B. den bereits von Marboe angekündigten Bau des Kindertheaters im Museumsquartier sonderfinanziert wissen. Im Gegensatz zum Ankauf des restituierten Johann-Strauß-Nachlasses, für den bereits 54 Millionen Schilling eingeplant sind (der Kaufpreis dürfte bei 70 Millionen liegen, die Differenz muss aus dem "Ordinarium" beglichen werden), ist dieses Projekt aber noch nicht abgesegnet.

Mailath, der auf eine Mitfinanzierung durch den Bund pocht, ist dennoch zuversichtlich: "Das Geld für das Kindertheater wird da sein." Insgesamt sind rund 54 Millionen Schilling (42 Millionen für den Bau, zwölf Millionen für die Einrichtung) vonnöten.

Druck macht der Stadtrat über das Procedere: Ende des Jahres soll der Bau ausgelobt werden, im Jänner 2002 will er die GmbH gründen und danach die Leitung ausschreiben. Mit dieser Ankündigung nimmt er einem Prominentenkomitee den Wind aus den Segeln: Es war am Dienstag für den baldigen Bau eingetreten.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 11. 2001)

 Von
 Thomas
 Trenkler


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