Vor Berliner Afghanistan-Konferenz: Präsident Rabbani hat "geringe Erwartungen"

21. November 2001, 14:06
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"Hoffentlich letzte Konferenz außerhalb des Landes" - Frankreich warnt vor Scheitern

Kabul/Moskau/Paris - Der aus dem Exil zurückgekehrte afghanische Staatspräsident Burhanuddin Rabbani erwartet von der UNO-Afghanistan-Konferenz kommende Woche in Berlin nur wenig Fortschritte für die politische Zukunft seines Landes. Er hoffe, es werde "die letzte Konferenz dieser Art außerhalb Afghanistans" sein, sagte Rabbani der russischen Tageszeitung "Wremija Nowosti" vom Mittwoch. Die Konferenz sei zwar wichtig, sie behandle jedoch nicht die dringendsten Probleme.

Die afghanische Nordallianz, auf welche sich Rabbani stützt, hatte am Dienstag der Konferenz zugestimmt, auf der nach dem Willen der Vereinten Nationen die Bildung einer multiethnischen Übergangsregierung beschlossen werden soll. In der von Tadschiken, Usbeken und Hasara dominierten Nordallianz, die sich vergangene Woche der Hauptstadt Kabul bemächtigt hat, ist die Mehrheitsbevölkerung der Paschtunen kaum repräsentiert. Rabbani selbst ist Tadschike.

Warnung vor Scheitern

Der französische Außenminister Hubert Vedrine warnte die afghanischen Volksgruppen vor einem Scheitern der Berliner Konferenz. Er sagte am Mittwoch im Radiosender BFM: "Wir sind bereit, ihnen in bisher beispielloser Weise zu helfen. Sie haben unglaublich viel zu gewinnen, wenn sie sich zu einem politischen Abkommen entschließen - und viel zu verlieren, wenn sie es nicht erreichen." Die Zeit für die Berliner Konferenz sei reif. "Diese Konferenz muss ein Erfolg werden", sagte Vedrine.

Gefolgsleute des einflussreichen Paschtunen-Führers Hamid Karsai werden voraussichtlich an der Afghanistan-Konferenz teilnehmen. Wie Karsais Bruder und Sprecher am Mittwoch sagte, steht allerdings noch nicht fest, ob dieser selbst zu dem am Montag beginnenden Treffen reisen wird. Karsai hat in den vergangenen Wochen von der zentralafghanischen Provinz Urusgan aus versucht, Taliban-Führer in der benachbarten Provinz Kandahar zum Aufgeben zu bewegen.

Vier Gruppierungen vorgesehen

Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, hat nach Konsultationen mit dem Weltsicherheitsrat angekündigt, dass vier Gruppierungen an der von der UNO vorgeschlagenen Konferenz über die politische Zukunft Afghanistans teilnehmen werden. Die Konferenz soll nächste Woche in Berlin stattfinden.

Es handelt sich bei den geplanten Teilnehmerdelegationen um die Nordallianz, auf die sich der nach Kabul zurückgekehrte Präsident Burhanuddin Rabbani stützt, die Anhängerschaft des seit 1973 im Exil in Rom lebenden Königs Mohammed Zahir, die so genannte Peshawar-Konvention und die "Zypern-Gruppe", in der Flüchtlinge und die afghanische Diaspora vertreten sind.

Die amtierende Präsidentin des UNO-Sicherheitsrates, Patricia Durrant (Jamaika), nannte das Treffen unter den Auspizien der Weltorganisation einen unerlässlichen ersten Schritt für die Etablierung einer repräsentativen Regierung in Afghanistan.

Die Nordallianz, von der die bisherige international anerkannte Regierung unter Präsident Rabbani getragen wird, heißt offiziell "Jebeh i Mottahad-i-Islami Nejad-i-Afghanistan" (Nationale Islamische Einheitsfront zur Befreiung Afghanistans) und setzt sich aus Fraktionen zusammen, von denen die meisten die Errichtung eines islamischen Staates anstreben. Sie sind nach Volkszugehörigkeit und religiöser Ausrichtung völlig verschieden. Drei Gruppen vertreten eine mehr oder weniger orthodox-sunnitische Richtung, zwei eine schiitische und eine ist wahhabitischer Orientierung, der strengen Observanz, die in Saudiarabien herrscht und auch von den Anhängern Osama bin Ladens vertreten wird. Zur Nordallianz gehört auch die Usbeken-Miliz Jumbish-i-Milli des ex-kommunistischen Generals Abdul Rashid Dostum.

Delegation des Ex-Königs bei Berlin-Konferenz mit weiblichem Mitglied

Der von Ex-König Mohammed Zahir nominierten Delegation bei der bevorstehenden Berliner Afghanistan-Konferenz wird mindestens eine Frau angehören. Das gab der Berater des früheren Monarchen, Abdul Sattar Sirat, am Mittwoch in Rom bekannt. Die Liste der Delegationsmitglieder sei noch nicht vollständig. Sie werde aus Repräsentanten aus dem Land wie aus der Emigration und der Diaspora bestehen. "Es wird eine oder zwei Frauen" geben, sagte Sirat. Es handle sich dabei um Persönlichkeiten aus dem Exil in Deutschland oder den USA. (APA/Reuters)

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