Business-Frauen waren auch im Mittelalter häufig anzutreffen

20. November 2001, 12:02
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Studie: Jüdische Frauen als Darlehensgeberinnen - und damit ausgegrenzt

Wien - "Powerfrauen" und "Business-Ladies" sind offenbar doch kein typisches Phänomen unserer Tage. Wie Martha Keil vom St. Pöltner Institut für Geschichte der Juden herausfand, war Kreditgeberin neben Dienerin der häufigste Beruf von Frauen im Mittelalter. Die Studie wurde Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt.

Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts war der den Juden zugedachte Geldhandel hauptsächlich in Männerhand, so Keil. Doch ab dann scheinen immer häufiger jüdische Frauen als Darlehensgeberinnen in verschiedenen Quellen auf. Bis zu einem Viertel aller Darlehen wurde von Frauen - hauptsächlich Witwen - vergeben. Ehefrauen konnten in dieser Zeit ihr Eigentum immer öfter selbst verwalten, Witwen erhielten häufig das Verfügungsrecht über das Familienvermögen.

Voraussetzungen

"Besitz- und Rechtsfähigkeit, Mobilität, Lesen und Schreiben, gute Umgangsformen sowie vor allem ein starkes Selbstbewusstsein waren die Voraussetzungen für die Geschäftstätigkeit der jüdischen Frauen", sagte die Wissenschafterin. Allerdings sei mit der zunehmenden Involvierung in Geschäfte und der verbesserten Rechtsstellung der Frauen auch eine Ausgrenzung aus der Synagoge einhergegangen.

Die Ursachen dafür sieht Keil in den Geschäftskontakten mit ChristInnen begründet. Diese führten zu einer Beeinflussung der jüdischen Gesellschaft, ähnlich dem christlich-patriarchalischen System würden jüdische Frauen sukzessive aus dem Synagogenraum gedrängt. Nachweisbar ist dieser Ausgrenzungsprozess der Frauen aus dem Gottesdienst ab dem 13. Jahrhundert. "Je aktiver Jüdinnen in der christlich-jüdischen Öffentlichkeit auftraten, desto unsichtbarer wurden sie in der Synagoge", fand die Forscherin heraus.

Kurios

Dies führte auch zu kuriosen Situationen. So war für die Geschäftspraxis das Ablegen eines Eides nötig, der aber erst durch das Berühren der Tora-Rolle gültig wurde. Das Frauen aber den Synagogenraum nicht betreten durfte, in dem die Tora aufbewahrt wird, legten sie ihren Eid am Eingang zur Synagoge ab.

Mit ihrer Geschäftstätigkeit unterlagen die Frauen natürlich auch der Steuerpflicht. Die so genannte Judensteuer wurde kollektiv und durch Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft eingetrieben. Dieses Amt hatten prinzipiell nur Männer inne. Eine Ausnahme im österreichischen Mittelalter machte Selda von Radkersburg, die 1338 nachweislich Plichten als Steuereintreiberin übernahm. (APA)

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