Mitte der Woche Bankengipfel zu RHI-Problemen

19. November 2001, 14:30
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Konzern muss verhindern, dass Asbestklagen gegen US-Tochter auf Konzern schlagen

Wien - Harte Sanierungsschnitte braucht der österreichische Weltmarktführer im Feuerfestbereich, RHI, der seit Übernahme der US-Gruppe GIT/Harbison Walker inmitten einer milliardenschweren Schadenersatzklagsfront von Asbest-Geschädigten steht. Der RHI-Konzern erbte von den US-Zukäufen Haftungen für asbesthaltige Erzeugnisse, die an Stahlfirmen verkauft wurden. Um zu verhindern, dass die Haftungen über Vermögenszugriff auf die österreichische Mutter nicht ruinös auf den Konzern durchschlagen, wird nun eine Abspaltung der US-Töchter nötig. Die Rede ist bereits auch von Teilinsolvenzen für die US-Operationen (Chapter 11, schlimmstenfalls Konkurs). Die Kosten zum Ausstieg aus dem US-Debakel werden gerade gerechnet. Mitte der Woche trifft das RHI-Bankenkonsortium wieder zu einer Krisensitzung zusammen.

RHI ist seit der Übernahme des US-Feuerfestproduzenten Harbison Walker/GIT Ende 1999 hoch verschuldet. Mitte des Jahres waren die Bankschulden noch mit rund 12 Mrd. S (872 Mill. Euro) angegeben worden, jetzt werden sie auf gut 1 Mrd. Euro (13,8 Mrd. S) geschätzt. Etwa die Hälfte davon wird dem US-Geschäft zugerechnet. Die Banken - allen voran Bank Austria, Erste Bank, RZB - haben sich nach einem akuten Liquiditätsengpass im September darauf geeinigt, die RHI-Sanierung zu finanzieren. Zunächst wurde fixiert, dass mit erweiterten Kreditlinien und neuen Rückzahlungsabkommen die Liquidität bis Jahresmitte 2002 gesichert ist. In informierten Kreisen ist nun aber auch von einem Entschuldungsbedarf und von Nachschusspflichten der Eigentümer die Rede.

Amerikanische Asbest-Zeitbombe entschärfen

Zunächst muss aber, spätestens bis Weihnachten, die amerikanische Asbest-Zeitbombe entschäft sein. Auf die USA entfällt ein Drittel des RHI-Umsatzes. RHI hat angekündigt, von ihren 27 US-Werken 14 schließen oder verkaufen zu wollen - was dem Abbau der operativen Verluste in USA dient, aber noch nicht das Asbestproblem löst. Georg Obermeier, vorzeitig abberufener Vorstandschef der RHI, bestätigte mittlerweile, dass dazu "Chapter 11 für Teilbereiche ein Thema" sei. Chapter 11 ist eine amerikanische Form des Ausgleichs, mit der sich eine von hohen Forderungen bedrohte Gesellschaft unter vorläufigen Gläubigerschutz stellt. Ein Chapter-7-Verfahren (Konkurs) hingegen würde die völlige Zerschlagung des teuren US-Konzernteils bedeuten und alle anderen Firmenhaftungen und Verbindlichkeiten würden schlagend.

Sollte die RHI ihre US-Töchter unter Gläubigerschutz nach Chapter 11 stellen lassen, befände sie sich derzeit freilich in guter Gesellschaft. Einen ähnlichen Weg prüft derzeit auch der Schweizer Medizintechnikkonzern Sulzer Medica, der sich in den USA mit Milliardenklagen nach schadhaften Hüft- und Knie-Kunstgelenken herumschlagen muss. Sulzer übt zur Zeit mit dem Hinweis auf Vorbereitungen für eine Insolvenz nach Chapter 11 für seine US-Tochtergesellschaft "sanften" Druck auf die Kläger in Richtung Vergleich aus. In Chapter 11 ist es möglich, die Firma auch bei hohen Forderungen weiterzuführen und in Ruhe zu sanieren.

Weiter verzögern dürfte sich der Verkauf der Dämmstoffsparte, Heraklith. Ein Heraklith-Verkauf sollte ursprünglich finanzielle Luft schaffen. Nun ist zu hören, dass ein Verkauf des Werks wohl nicht ohne Buchverluste abgehen würde.

Der Kurs der RHI gab am Montag bis gegen 14.20 Uhr um 12,2 Prozent auf 6,84 Euro nach. (APA)

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