Pakistan erkennt Taliban-Regime nicht länger an

19. November 2001, 14:00
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Islamabad verweigert auch Rabbani Anerkennung

Islamabad - Pakistan erkennt die afghanische Taliban-Regierung nicht länger an. Das gab Außenminister Abdul Sattar am Montag in Islamabad bekannt. Pakistan war das einzige Land, das zu den Taliban diplomatische Beziehungen unterhielt, nachdem Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate diese abgebrochen hatten.

Die diplomatischen Beziehungen würden "mangels einer legitimen Nachfolgeregierung" jedoch nicht offiziell abgebrochen, erklärte der pakistanische Außenminister. Sobald eine von der UNO eingesetzte Übergangsregierung im Amt sei, werde Pakistan mit dieser Beziehungen aufnehmen. Bis dahin werde Islamabad jegliche Ansprüche afghanischer Führer zurückweisen, sie repräsentierten das ganze Land. Abdul Sattar bezog sich damit auf die Ansprüche des nach Kabul zurückgekehrten Präsidenten Burhanuddin Rabbani.

Rabbani international anerkannt

Bis zur Bildung der von den Vereinten Nationen gewünschten Übergangsregierung ist Rabbani das international anerkannte rechtmäßige Staatsoberhaupt Afghanistans. Der 61-jährige Rabbani, der der tadschikischen Minderheit angehört und sich auf die Nordallianz stützt, war 1996 von den Taliban aus der Hauptstadt vertrieben worden und hatte sich seither abwechselnd im Norden des Landes, im Iran und in Tadschikistan aufgehalten. Da seine Regierung den UNO-Sitz Afghanistans behielt, hat Rabbani nach völkerrechtlichen Kriterien nie aufgehört, das legale Staatsoberhaupt zu sein. Das hat ihm auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan bescheinigt.

Neben Pakistan, das die Machtergreifung der Taliban ermöglicht hatte, hatten nur Saudiarabien und die Vereinigten Emirate das Taliban-Regime anerkannt. Saudiarabien hatte im September 1998 den Taliban-Botschafter ausgewiesen und den eigenen Botschafter aus Kabul abgezogen. Das Königreich begründete dies damit, dass die Taliban mehreren Verdächtigen des Bombenanschlags von Dhahran - bei dem im Juni 1996 neunzehn US-Armeeangehörige getötet und mehr als 300 Menschen verletzt worden waren - Unterschlupf geboten hätten. (APA/Reuters)

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