Uni-Reform: Dienstrecht "einmalig und hirnverbrannt"

19. November 2001, 13:57
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Personal lehnt Vollrechtsfähigkeit ab

Wien - In die falsche Richtung gehen nach Ansicht des Zentralausschusses (ZA) für die Universitätslehrer die Entwicklungen an den Hochschulen. Bei Umfragen an verschiedenen Unis in den vergangenen neun Monaten hätte sich das Personal eindeutig sowohl gegen die Eckpunkte des seit Oktober geltenden neuen Dienstrechts als auch gegen die Vorschläge des Ministeriums zur Vollrechtsfähigkeit ausgesprochen, betonte ZA-Vorsitzende Anneliese Legat bei einer Pressekonferenz am Montag. Der ZA ist die gesetzlich eingerichtete Personalvertretung aller österreichischen Hochschullehrer.

Ganz taufrisch sind die präsentierten Befragungen allerdings nicht mehr - sie entstanden noch vor dem Beschluss der endgültigen Fassung des neuen Dienstrechts sowie vor der Präsentation des "Gestaltungsvorschlags" zur Vollrechtsfähigkeit der Universitäten. Ein eindeutiges Bild ergeben sie nach Meinung des ZA dennoch: An der Technischen Universität (TU) Wien, der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, der Universität Innsbruck sowie der Universität für angewandte Kunst in Wien sprachen sich jeweils mehr als 80 Prozent gegen das neue Dienstrecht und die Pläne zur Vollrechtsfähigkeit der Unis aus.

"Totgeschwiegen und ignoriert"

Diese bereits mehrfach präsentierten Daten würden aber "totgeschwiegen und ignoriert", beklagte Rony Flatscher, Vorsitzender des Dienststellenausschusses an der WU. Scharfe Kritik übte er am neuen "einmaligen und hirnverbrannten" Dienstrecht, das neu eintretenden Nachwuchs-Wissenschaftern "nach vier Jahren einen Tritt in den Hintern gebe". Jeder Personalchef einer größeren Firma würde gekündigt, wenn er so auftrete wie die Regierung.

Hinter der geplanten Ausgliederung der Universitäten vermutet die Juristin Legat eine "Re-Verstaatlichung". So solle offenbar eine Betriebsstruktur entstehen, die die "akademische Selbstverwaltung abschaffen" möchte. Probleme mit dem neuen Dienstrecht ortet sie vor allem im Bereich der Medizin, wo es für Nachwuchs-Wissenschafter zu hohen Einkommensverlusten komme. Ins gleiche Horn stieß auch der Anästhesist Thomas Luger von der Uni Innsbruck. Der Gestaltungsvorschlag des Ministeriums gehe in nur 17 Zeilen auf die Zukunft der medizinischen Fakultäten ein. Wenn der Zeitplan für den Beschluss der Reform eingehalten werden müsse, könnten die nötigen Sonderbestimmungen für die Medizin fallen gelassen werden, befürchtete Luger.

TU-Rektor sieht "auch viel Gutes"

"Auch viel Gutes" sieht hingegen TU-Rektor Peter Skalicky in der Ausgliederung der Universitäten, allerdings seien im vom Ministerium präsentierten Gestaltungsvorschlag tatsächlich "einige Pferdefüße drinnen". Die Diskussion an den Unis über das Modell sieht er als "gutes Zeichen einer akademischen Selbstverwaltung".

Ablehnung für die Vorschläge des Bildungsministeriums kommt auch vom Bund sozialdemokratischer Akademiker (BSA). Diese würden zu einer Beschränkung der Mitbestimmung sowie der Universitätsautonomie führen und stattdessen eine "Ministerial-Universität" schaffen, hieß es in einer Aussendung. (APA)

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