Bundesbank: Eurozone-Wachstum im Frühjahr zum Stillstand gekommen

19. November 2001, 13:59
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Konjunkturflaute nach Jahresmitte fortgesetzt - Investitionen und Exporte merklich geschrumpft

Frankfurt - Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone ist in den Frühjahrsmonaten saisonbereinigt betrachtet zum Stillstand gekommen. Nach der Jahresmitte hat sich die Konjunkturflaute - bisher vorliegenden Informationen zufolge - fortgesetzt. Das schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem November-Bericht. Sie verweist darauf, dass die realen Bruttoanlageinvestitionen und die Exporte merklich geschrumpft seien; die Intra-Euroraum-Ausfuhren schienen sich dabei auf dem Niveau von Ende 2000 gehalten zu haben. Der reale Konsum der privaten Haushalte habe hingegen weiter nach oben tendiert. Das BIP-Wachstum sei rein rechnerisch auch dadurch gestützt gewesen, dass die realen Importe erneut rückläufig waren.

Die zunehmende Schwäche der Industrieproduktion - sie fiel im Juli/August um 1/4 Prozent zum zweiten Quartal und im September voraussichtlich weiter - spiegle sich auch im verstärkten Rückgang der Kapazitätsauslastung wider, so die Bundesbank. Sie zeigt dazu auf: Seit dem letzten Höchststand Anfang 2001 habe der Nutzungsgrad der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe des Euroraumes um 2,5 Prozentpunkte nachgegeben; er sei aber im Oktober noch etwas über dem langjährigen Durchschnitt gelegen. Das Geschäftsklima in der Euroraum-Industrie habe sich im September/Oktober weiter eingetrübt.

Konjunkturflaute auf Arbeitsmarkt kaum sichtbar geworden

Die Bundesbank weist darauf hin, dass die Konjunkturflaute im Euroraum auf den Arbeitsmarkt bisher noch kaum sichtbar geworden sei. Die Verbraucherpreise seien im Zeitraum Juli/Oktober 2001, gemessen am HVPI, saisonbereinigt nur noch mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent gestiegen, bei einem Vorjahresabstand von 2,7 Prozent. Die Aussichten, dass die Teuerungsrate bald in den Bereich der Preisstabilität von "unter zwei Prozent" zurückkehren werde, haben sich nach Überzeugung der Bundesbank "somit deutlich verbessert".

Trotz der hohen Geldmengen-Wachstumsraten dürften in der Eurozone von der monetären Seite her kaum Inflationsgefahren ausgehen, meint die Deutsche Bundesbank weiter in ihrem Monatsbericht. Sie weist dabei auf die Liquiditätspräferenz der Anleger infolge der Unsicherheiten an den internationalen Aktienmärkten, die sich zudem mit den Terroranschlägen vom 11. September noch verstärkt habe. Hinzu kämen sinkende Expansionsraten bei den Krediten im privaten Sektor. Wie berichtet expandierte M3 im September zum Vorjahr/3-Monats-Durchschnittsrate um 7,6/6,9 Prozent. (APA/vwd)

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