Auch Austro Control muss jetzt sparen

19. November 2001, 14:38
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200 Millionen Schilling Sparprogramm - Gebührenerhöhung von 6,2 Prozent soll Unterdeckung aus 2000 ausgleichen

Wien - Die Anschläge vom 11. September und die Folgen treffen auch die für die Überwachung des österreichischen Luftraums und der Flugsicherheit verantwortliche Austro Control: Wegen rückläufiger Flugbewegungen dürfte sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) heuer gegenüber dem Vorjahr (100 Mill. S) auf 40 bis 50 Mill. S (2,9 bis 3,6 Mill. Euro) halbieren. Das Unternehmen will die Rückgänge mit einem 200 Mill. S schweren Maßnahmenpaket auffangen, mittelfristig sollen auch 10 Prozent des Personals eingespart werden. Vor allem zum Ausgleich einer Unterdeckung aus dem Jahr 2000 steigen die Überfluggebühren um 6,2 Prozent.

Mit 1. Jänner 2002 erhöht Austro Control die Überfluggebühren um 4 Euro oder 6,2 Prozent von 65 auf 69 Euro (969 S) je "Dienstleistungseinheit" (service unit), berechnet für 100 km Überflug einer 50-Tonnen-Maschine. Damit würden aber nicht die aktuellen Verkehrsrückgänge abgedeckt, sondern drei der vier Euro dienten dem Ausgleich der Unterdeckung des Jahres 2000 für bereits erbrachte Leistungen. Mit dem Rest werde der gestiegene Mitgliedsbeitrag für den europäischen Dachverband Euro Control ausgeglichen, sagte Austro Control-Sprecher Heinz Sommerbauer am Montag zur APA. Diese Kosten seien vom Unternehmen selbst nicht zu beeinflussen. Im Jahr 2000 lukrierte die Austro Control aus Streckengebühren rund 1,7 Mrd. S.

Zwischen 5 und 10 Prozent weniger Flugaufkommen erwartet

Die jährlich verrechnete "unit rate" setzt sich aus den geplanten Unternehmenskosten und der prognostizierten Anzahl der Flüge zusammen. Für das kommende Jahr erwartet die Austro Control, die sich hauptsächlich aus Streckengebühren finanziert, zwischen 5 und 10 Prozent weniger Flugaufkommen.

Die geplante Kostensenkung um 200 Mill. S entspricht einer Reduktion der Unternehmenskosten um rund 10 Prozent und soll durch "Maßnahmen in allen Bereichen" erfolgen, unter anderem durch den Wegfall von Sonderzahlungen und den Abbau von Überstunden und Urlauben. "Kollektivvertragliche Gehaltserhöhungen oder Sonderzahlungen kann die Geschäftsleitung in der gegenwärtigen Lage nicht in Aussicht stellen", so Generaldirektor Christoph Baubin. Details wurden nicht genannt, in einigen Bereichen müsse es noch Gespräche geben.

Verkehrsrückgang wird aufgefangen

"Damit fangen wir den gesamten erwarteten Verkehrsrückgang auf", sagte Sommerbauer. Kündigungen will der Vorstand vermeiden, auch bei der Sicherheit würden keine Abstriche gemacht. Die Zahl der Fluglotsen soll stabil bei rund 300 Personen bleiben bzw. in den kommenden Jahren bei steigendem Verkehrsaufkommen sogar leicht steigen. An der "ausgezeichneten Qualität" der heimischen Flugsicherung solle sich nichts ändern, betonte Baubin. Priorität sei gewesen, eine deutliche Erhöhung der Gebühren in der jetzigen Krisensituation zu vermeiden.

Mittelfristig - in drei bis fünf Jahren - soll der Personalstand durch natürlichen Abgang und strukturelle Veränderungen von derzeit rund 1.000 Mitarbeitern um rund 10 Prozent gesenkt werden, die Produktivität soll entsprechend überproportional steigen.

Kerngeschäft "Navigation, Kommunikation, Verkehrserfassung und -steuerung"

Auch die Konzentration der Austro Control auf das Kerngeschäft "Navigation, Kommunikation, Verkehrserfassung und -steuerung" geht weiter. Bereits in absehbarer Zeit soll die Ausgliederung des meteorologischen Dienstes und seine Zusammenfassung mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik erfolgen. Die Neuordnung behördlicher und hoheitlicher Aufgaben soll spürbare Synergieeffekte bringen.

Langfristig werde der Flugverkehr wieder an das langfristige Wachstum anschließen. Spätestens 2004 dürften die Zuwachsraten der vergangenen Jahre wieder erreicht werden. "Das Bedürfnis nach Mobilität und die Bedeutung des Flugverkehrs werden trotz der derzeitigen Krise nicht abnehmen und die Flugwirtschaft wird insgesamt gestärkt aus der Krise hervorgehen", hofft Baubin. (APA)

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