90 "verlorene" Arbeitstage in Österreich

19. November 2001, 19:01
2 Postings

Erste "globale" Produktivitätsstudie in neun Ländern - Gedämpfte Produktivitätserwartung

Wien - Im Durchschnitt gehen in den Betrieben 96 Arbeitstage im Jahr für "unproduktive" Tätigkeiten drauf. In Österreich sind es nur 90 Tage. Die durchschnittliche Unproduktivitätsrate beträgt 43 Prozent der Arbeitszeit. Mit einer Unproduktivitätsrate von 40 Prozent gehört die Alpenrepublik zum Spitzentrio, gleich hinter Deutschland und den USA mit jeweils 39 Prozent.

Das zeigt die erste "globale Produktivitätsstudie" der "czipin&proudfoot consulting" in sechs Staaten bei 1500 Firmen (davon 390 in Österreich). Als "unproduktiv" wird eingestuft, was nicht direkt mit der Wertschöpfungskette zu tun hat. Schlechter schneiden Frankreich (46 Prozent), Ungarn (47) und Großbritannien (52) ab.

Mangelnde Planung und Steuerung

"Mangelnde Planung und Steuerung ist der Hauptgrund dafür", sagte Alois Czipin. "Das ist ein globales Phänomen. Aber in Österreich sind die Planungsdefizite noch größer". Allgemein betrachtet sind mangelnde Führung, fehlende Arbeitsmoral und schlechte Kommunikation weitere Ursachen.

Die heimische Mängelliste schaut allerdings etwas anders aus: Nach dem Produktivitätskiller Nummer eins, der fehlenden Planung und Steuerung (46,8 Prozent), hapert es am meisten an der Arbeitsmoral (11,5) und an der Kommunikation (10,3). Erst auf Platz vier rangiert die mangelnde Führung und Aufsicht (9,9 Prozent). Czipins Fazit: Die heimischen Manager sind die besseren Aufseher, die öfter durchgreifen.

Dramatischer Rückgang

Aus einer zweiten Befragung - diesmal 2700 Interviews in neun Staaten - geht deutlich hervor, dass die Manager für heuer mit einem dramatischen Rückgang der Produktivitätssteigerung rechnen. Nach einer Produktivitätssteigerung von 3,9 Prozent im vergangenen Jahr erwarten die 300 befragten österreichischen Manager heuer nur mehr ein Plus von 2,1 Prozent. Sie behaupten damit Platz fünf, nach Südafrika (3,8 Prozent), Ungarn (3,2), den USA (2,7) und Australien (2,4). Schlechter steht es um Deutschland und Großbritannien (je 1,4). Auffallend: Im Laufe des Jahres haben die österreichischen Wirtschaftslenker ihre Schätzungen saftig nach unten revidiert: Noch im Feber glaubten sie an drei Prozent Produktivitätssteigerung. Die düstere Stimmung rund um den 11. September zeigte Wirkung. (lyn)

Share if you care.