Banken wollen Inlandszahlungsverkehr zusammenlegen

19. November 2001, 10:33
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Bank Austria/CA, BAWAG/P.S.K. und Sparkassen bald mit gemeinsamer Lösung - Könnte Abwicklung um 30 Prozent billiger machen

Wien - Eine spektakuläre Allianz bahnt sich in Österreichs Bankenszene an. Erwin Erasim, Vorstandsmitglied der Erste Bank, berichtet in der "Presse" (Montagausgabe) von Plänen für eine große Lösung für den inländischen Zahlungsverkehr. Demnach überlegten Bank Austria/Creditanstalt (BA/CA), BAWAG/P.S.K. sowie Erste Bank inklusive des gesamten Sparkassensektors, ihren Zahlungsverkehr zusammenzulegen.

Erste Gespräch darüber gab es bereits, ob das Projekt tatsächlich zustande kommt, soll im zweiten Quartal 2002 feststehen.

Chronische Unterdeckung

Der Zahlungsverkehr ist für die Banken seit langem ein Sorgenkind. Auch wenn sich Kunden über steigende Gebühren ärgerten, ergab eine McKinsey-Studie, dass die Unterdeckung (Verlust) im Zahlungsverkehr pro Jahr bei allen Geldinstituten insgesamt 3 Mrd. S (218 Mill. Euro) ausmacht. In den einzelnen Häusern versuche man zwar, den Zahlungsverkehr weiter zu rationalisieren. Deutliche weitere Kostenreduktionen seien aber im Alleingang nicht möglich, sondern nur durch eine institutsübergreifende Lösung, so Erasim.

Während die Erste Bank sowie die Sparkassen ihren Zahlungsverkehr bereits aus der Bank ausgegliedert haben, müsste dies bei den beiden anderen Bankengruppen noch geschehen, um tatsächlich mit der großen gemeinsamen Lösung starten zu können, schreibt die Zeitung.

Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent

Die daran beteiligten Institute haben derzeit am inländischen Zahlungsverkehr einen Marktanteil von rund zwei Drittel. Eine Zusammenlegung könnte eine Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent bringen.

An das geplante System könnten noch weitere Partner andocken. Denkbar wäre dies etwa beim Raiffeisen-Geldsektor, konkret dem Bereich Wien, Niederösterreich und Burgenland. Karl Stoss, der demnächst vom P.S.K.-Vorstand in den Vorstand der Raiffeisen Zentralbank wechselt, war einer der Mit-Initiatoren des Projekts.

Auch Lösung für Auslandsüberweisungen gesucht

Mit einer "großen" Lösung im Zahlungsverkehr wären nicht nur Verbilligungen im Inland möglich, heißt es weiter. Die Banken kommen zunehmend bei den Gebühren für Auslandsüberweisungen unter Druck. Die EU verlangt wie berichtet, dass Transaktionen innerhalb des Euro-Gebiets künftig nicht mehr kosten dürfen als reine Inlandsüberweisungen.

Ein Vorbild für den gemeinsamen Zahlungsverkehr ist das heimische Bankomat-System. Kartellrechtliche Probleme bei einer Zusammenlegung des Zahlungsverkehrs fürchtet Erasim nicht. (APA)

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    foto: photodisc
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