"Kein Unterschied zwischen Taliban und Nordallianz"

19. November 2001, 10:06
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Rawa-Vertreterin: "Beide Gruppen sind gegen Frauen und Demokratie"

Wien - "Es gibt keinen Unterschied zwischen den Taliban und der Nordallianz." Dies erklärte eine Vertreterin der im Untergrund aktiven afghanischen Frauenorganisation Rawa Sonntag Abend in der ORF-Fernsehdiskussion "Betrifft: Die Schleier fallen". Beide seien abhängig von fremden Staaten und von ausländischen Kräften an die Macht gebracht worden, sagte die unter ihrer Burka verborgene Aktivistin, die sich Shala nennt. Der Chefberater des afghanischen Ex-Königs Mohammed Zahir, Amin Farhang, erklärte seinerseits, der geplante nationale Rat sehe die Teilnahme von 20 bis 30 Frauen vor.

Gegen Frauen und Demokratie

Nach den Worten Shalas sind sowohl die radikal-islamischen Taliban als auch die Nordallianz "gegen Frauen und gegen Demokratie". Die Organisation Rawa (Revolutionary Association of the Women of Afghanistan) wolle ihre Tätigkeit im Dienste der Frauen auch künftig fortsetzen. Sie gehe davon aus, dass Frauen wahrscheinlich auch von der künftigen Regierung ausgeschlossen sein werden, sagte die Rawa-Vertreterin. Zugleich betonte sie die Bereitschaft von Frauen, an einer Regierung mitzuwirken, wenn daran keine Fundamentalisten beteiligt seien.

Allparteienregierung soll neuen Bürgerkrieg verhindern

Königs-Berater Farhang erklärte, ein neues Afghanistan könne nicht ohne Mitwirkung der Frauen aufgebaut werden. "Für den König ist eine afghanische Gesellschaft ohne die Beteiligung von Frauen nicht denkbar." Ursprünglich sollte nach den Vereinbarungen von Rom nach dem Sturz der Taliban ein Übergangsrat der politischen Kräfte in Afghanistan gebildet werden. Vorgesehen waren auch der Aufbau einer nationalen Armee und die Ausarbeitung einer Verfassung, um später eine neue Loya Jirga (Große Versammlung, Anm.) einzuberufen. Der Einmarsch der Nordallianz in Kabul habe die Situation verändert, nun müsse ein neuer Konsens gefunden werden. "Es muss eine Allparteienregierung geschaffen werden", so Farhang. Eine andere Regierung würde vom Volk nicht akzeptiert und es würde zu einem neuen Bürgerkrieg kommen.

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) verwies in der Diskussion auf die wichtige Rolle, die der UNO bei der Gestaltung einer neuen politischen Ordnung in Afghanistan zukomme. Der UNO-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, werde allseits skzeptiert. Eine afghanische Übergangsregierung wird nach Einschätzung Ferrero-Waldners etwa eineinhalb bis zwei Jahre amtieren, bis eine neue Loya Jirga "eine echte Regierung" aufstellen könne. Sie hoffe, dass bereits in der Übergangsregierung Frauen dabei sein werden. Um den Frauen zu helfen, müsse man bei Alphabetisierung und Bildungsprojekten ansetzen und ihnen eine Grundausbildung für handwerkliche Arbeiten ermöglichen. (APA)

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