Grüne Unis vor Neuorientierung

18. November 2001, 20:16
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Internationaler Boku-Kongress zu Nachhaltigkeit in Wien

Wien - EU-Landwirtschaftskommissär Franz Fischler eröffnet Sonntagabend im RadioKulturhaus in Wien den internationalen Kongress "Leben und Überleben. Konzepte für die Zukunft" der Uni für Bodenkultur (Boku). Bis Mittwoch beraten über 1400 Teilnehmer aus 23 Ländern in der Hofburg Fragen der nachhaltigen Ressourcennutzung, Lebensmittelproduktion und -sicherheit sowie Umweltschutz. Acht international besetzte Fachsymposien reichen thematisch von der biotechnologischen Nutzung von Pilzen bis Bioethik, von Naturgefahren bis Biomasse.

Die Tagung findet in einer Umbruchphase für Landwirtschaftsunis statt, nicht nur in Österreich, da die Politik eine "Flurbereinigung" bei Fächern und Unis verlangt. Es geht also auch um das "Überleben" und die "Zukunft" von wissenschaftlichen Einrichtungen.

Dementsprechend deutliche Worte findet Cees Karssen, Präsident einer 70 Mitglieder starken Dachorganisation "Grüner Universitäten und Fakultäten" in Europa sowie Impulsreferent am Montag: Im Gespräch mit dem STANDARD fordert er einen "Paradigmenwechsel" weg von der Forschung über ausreichende hin zu jener über sichere Lebensmittel in einer lebensfähigen (Um-)Welt. Daher sieht der Wissenschafter auch eine "gute Zukunft für Grüne Unis in Europa". Nachsatz: "Unter gewissen Bedingungen . . ." Zunächst, so Karssen, müssten sie ihre Programme diversifizieren und viel stärker zusammenarbeiten. Die Boku zeigt, dass sie schon mitten in diesem Modernisierungs- und Vernetzungsprozess steht. Denn sie holte als Kongressmitveranstalter die Tschechische Agraruni Prag und die Universität von Westungarn.

Life-Sciences im Trend

Bei "kleineren Einrichtungen" ortet Karssen die Schwäche, sich "zu wenig oder gar nicht auf Entwicklungen in den Life-Sciences" zu konzentrieren. "Das große Risiko dabei: dass die Finanzmittel für diese moderne Forschung nicht zu den Grünen, sondern zu anderen Universitäten fließen." Besondere Bedeutung würden künftig Gesundheits-und Umweltfragen gewinnen. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18. 11. 2001)

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