Telekom-Anleger am Ende der Warteschleife

18. November 2001, 20:29
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Vor einem Jahr kam die "Volksaktie" auf den österreichischen Kapitalmarkt; eine Bilanz

Am Anfang war die Verstimmung, und die hielt länger an, als den meisten Kleinaktionären lieb war. Fast 90.000 hatten sich - nicht zuletzt von einer massiven Werbekampagne beeindruckt - die als "Volksaktie" angepriesene Telekom Austria (TA) besorgt. Für den Börsenerfolg fehlten und fehlen zwei Voraussetzungen: Das Unternehmen muss einmal Gewinne vorlegen und Dividenden ausschütten.

Die TA winkte den Anlegern gleich mit zwei "Zuckerln": dem Frühbucherbonus, der einen Skonto von fünf Prozent auf den Ausgabepreis von neun Euro brachte (das macht ca. 45 Cents), und dem Behaltebonus, der die meist frisch gebackenen Anleger enger an die TA binden sollte. Wer den Bonus will, darf erst nach der Hauptversammlung, die über das Jahr 2001 befindet, aussteigen. Bonus hier, Bonus dort - so kam mit einem Abschlag von etwa 15 Prozent ein Einstandspreis von 7,60 Euro statt neun Euro zusammen. Was Wilhelm Rasinger, Anwalt der kleinen Leute im Börsenreich, zufrieden stimmt: "Mit der TA liegt man nun nicht schlecht auf Kurs. Man ist nicht reich, aber auch nicht arm geworden." Was wohl die meisten Anleger die anfängliche Zitterpartie wieder vergessen ließ.

Besonders seit Jahresanfang hat das Papier die beste Performance aller österreichischen Unternehmen hingelegt: ein Plus von 48,5 Prozent. In den letzten Tagen wurde sogar der Ausgabekurs von neun Euro erstmals wieder kurz erreicht. Besonders, wer nach der Gewinnwarnung nur wenige Wochen nach dem Börsengang eingestiegen ist, hat ein gutes Geschäft gemacht. Die Aktie rasselte bis auf 5,60 Euro hinunter. Das war aber nicht der erste Ausrutscher der TA. Es fing gleich am Anfang mit den Verbindungsschwierigkeiten an: Die Aktie wurde um 15 Prozent in die Tiefe geprügelt. Vor allem die ersten beiden Börsentage brachten die meist nur marginal mit Börsenregeln vertrauten Anleger ins Schwitzen.

Wolfgang Matejka, Fondsmanager der Allianz, erinnert sich an den Grund des Absturzes: "Ein Drittel der Emission wurde in den USA platziert. Das meiste ging in Hedge-Fonds und in Handelsbücher, die sofort wieder verkauften."

Gewinnchancen

Matejka hat selbst TA gekauft, aber nur halb so viel, wie er ursprünglich wollte. Auch er war überrascht vom Absturz des Papiers. Denn der Ausgabepreis von neun Euro stand am unteren Ende der Bandbreite, die bis zwölf Euro reichte. Seit dem Stand von 5,60 Euro habe sich das Papier nun in Etappen erholt. Vor allem ließen nun die Ergebnisse der TA hoffen, und nicht zuletzt der anstehende Verkauf.

Die Telecom Italia (TI) wird ihren 30-Prozent-Anteil wohl im Gleichschritt mit der Privatisierungsholding ÖIAG (hält 47,8 Prozent) abgeben. Die beiden sind in einem Syndikatsvertrag bis 2003 aneinander gebunden.

Geben sie ihre Anteile gemeinsam ab, müssen sie ein Übernahmeangebot an die Kleinaktionäre machen. Die Rendite sollte sich sehen lassen. Konrad Sveceny, Telekom-Analyst bei der Erste Bank, hält einen Preis von zwölf Euro für "nicht aus der Luft gegriffen". Denn der Paketaufschlag liege üblicherweise 15 bis 20 Prozent über dem Emissionskurs. Er rechnet damit, dass die TA bis Jahresende wieder am Ausgabekurs von neun Euro steht. Er untermauert seine positiven Aussichten mit den wirtschaftlichen Prognosen für die Telekom: bei den Neunmonatszahlen nächste Woche rechnet er mit einem Plus von 20 Prozent beim Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

Das Jahresziel des Managements sei erreichbar. Auch Matejka sieht in der Telekom neu erwachte Fantasie. Der Fair-Value der Aktie - das ist der Wert, den eine Aktie haben müsste, würde die Börse rational funktionieren - liege bei 13 Euro.

Interessenten an der TA gibt es genügend. Verschiedene Funds, die das Unternehmen in einem ersten Schritt kaufen und dann an die großen Spieler dahinter abgeben dürften. Die TA soll Festnetz und Mobilbereich abspalten. Sveceny rechnet mit einem Einstig der Deutschen Telekom im Festnetz-, der britischen Vodavone im Mobilfunkbereich.

Kaufrausch

Damit wird die Lebensabschnittspartnerschaft zwischen TI und TA nach nur drei Jahren ein Ende finden, der neue TI-Chef will die Beteiligungen abgeben. Die Italiener waren mit 16 Euro je Aktie eingestiegen.

Beim Börsengang hat TI 4,9 Prozent dazu bekommen und nichts dafür bezahlt, da der Ausgabepreis stark unter dem ursprünglich angestrebten war. Was laut Exerten den Einstandskurs der TI bei 12,50 Euro und das Interesse am Verkauf erklärt. "Wenn sie auch einen oder zwei Euro verlieren, holen sie sich das beim Verkauf der Mobilkom wieder herein".(Esther Mitterstieler, Der Standard, Printausgabe, 19.11.2001)

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