RZB-Chef zufrieden mit Eurovorbereitung

19. November 2001, 12:31
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Rothensteiner will sich weiter für Ein-Euro-Schein einsetzen

Wien - Der Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, zeigt sich mit der bisherigen Eurovorbereitung zufrieden. "Derzeit sind über Banken und Postämter elf Mrd. Euro vorverteilt, das sind rund 75 Prozent des gesamten österreichischen Bargeldumlaufs", stellte er in einem Pressegespräch fest. Bis Jahresende sollten davon sechs bis sieben Mrd. Euro bei den Unternehmen gelandet sein. Auch die 2600 Bankomaten und 3900 Foyerautomaten in Österreich würden ab Jahresbeginn betriebsbereit sein.

Dass mit dem Euro auf die Österreicher eine Hartgeldschwemme zukommt, bezeichnete Rothensteiner als "Jahrhundertchance, um auf das Plastgikgeld umzusteigen". Dennoch werde er sich weiterhin für die Ausgabe von Ein- oder Zwei-Euro-Scheinen einsetzen.

Die geplante Neuregelung der Eigenmittel-Unterlegungsvorschriften für Kreditinstitute, bekannt unter Basel II, hält Rothensteiner grundsätzlich für vernünftig. Eine stärkere Differenzierung bei den Konditionen zwischen "guten" und "schlechten" Kunden sei grundsätzlich richtig, in Deutschland und Österreich bisher aber nicht üblich gewesen. Hier habe eher der Grundsatz geherrscht: "Was man sich erredet, muss man sich nicht erarbeiten." Der RZB-Chef kritisierte aber auch die Panikmache, wonach Kleinbetriebe in Zukunft keinen Kredit mehr erhalten würden.

Reparatur an Basel II

RZB-Vorstandsdirektor Karl Sevelda ist davon überzeugt, dass Basel II in der derzeitigen Form nicht kommen werde. Für das kommende Frühjahr sei bereits ein drittes Konsultationspapier (Basel III) vorgesehen, das weitere Korrekturen enthalten werde. Es müsse vor allem zu einer einfacheren Handhabung der neuen Vorschriften kommen, und auch die Benachteiligung von Klein- und Mittelbetrieben müsse aufhören.

Mit der Ertragssituation der RZB im Jahr 2001 zeigte sich Sevelda zufrieden. Die Bank habe von der Veränderung der Bankenlandschaft in Österreich seit 1990 profitiert und Marktanteile gewonnen. Im Top-1000-Kundensegment sei die RZB heute "Nummer zwei hinter einer bayerischen Bank in Österreich", konnte er sich einen Seitenhieb auf die Bank Austria nicht verkneifen.

Allerdings habe die Konjunkturentwicklung ihre Schatten auch auf die Gewinn- und Verlustrechnung der RZB geworfen. So werde der Wertberichtigungsbedarf, der im Vorjahr bei 0,2 Prozent der Forderungen und damit deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 0,5 Prozent lag, heuer steigen, aber "hoffentlich unter 0,5 Prozent bleiben".

Um die Sanierung maroder Firmen künftig zu erleichtern, schlug Sevelda die Begünstigung von Debt-Equity-Swaps (Umwandlung von Schulden in Eigenkapital) vor. Dazu sei eine Novelle zum Insolvenzrecht erforderlich, die Kredite an Firmen, an denen die Bank mit 25 (Aktiengesellschaft) bzw. zehn Prozent (GesmbH) beteiligt sei, nicht mehr als Eigenmittel werte. (gb,Der Standard, Printausgabe, 19.11.2001)

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