Ausländerfrage dominierte Wahlkampf

19. November 2001, 13:50
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Großer Teil der Wähler noch unentschlossen

Stockholm/Kopenhagen - Eines scheint vor den Wahlen zum dänischen Folketing gewiss. Der Sieger wird in jedem Fall Rasmussen heißen. Denn diesen Namen tragen die beiden wichtigsten Protagonisten dieser Wahl: Entweder Poul Nyrup Rasmussen, seit neun Jahren sozialdemokratischer Ministerpräsident, oder sein Herausforderer Anders Fogh Rasmussen von der liberalen Venstre. Laut Umfragen gilt der Liberale als potenzieller Wahlsieger.

Allerdings ist ein großer Teil der Wähler noch immer unentschlossen. Die von dänischen Politologen seit längerem vermerkte "Auflösung der Ideologien" trat im Wahlkampf deutlich hervor. Die Lager unterschieden sich kaum in ihren Botschaften. Es geht vor allem um zwei Fragen: die Zukunft des Wohlfahrtsstaates und die Ausländerpolitik. Während sich Venstre in den vergangenen Jahren bei sozialen Fragen markant nach links bewegt hat, schwenkten die Sozialdemokraten in der Ausländerpolitik nach rechts.

Beide Lager erklären sich zum Garant eines starken Sozialstaates, geloben bessere Versorgung in Krankenhäusern und Altenheimen. Vor allem aber wetteiferte man im Wahlkampf um die Gunst jener Bürger, die sich trotz des relativ geringen Ausländeranteils von sieben Prozent "vom Fremden bedroht" fühlen. Erst im April hatte der EU-Überwachungsausschuss gegen Rassismus und Fremdenhass befunden, mit 20 Prozent fremdenfeindlich gesinnten Bürgern sei Dänemark das intoleranteste Land Europas. (DER STANDARD, Print, 19.11.2001)

STANDARD-Korrespondentin Anne Rentzsch
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