"Ärzte-Demo" gegen Temelin

17. November 2001, 16:09
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Warnung: "Bei atomarem Katastrophenfall keine ausreichende Hilfe"

Linz - Mehr als 500 Atomgegner nahmen Samstag Nachmittag neuerlich an einer Kundgebung gegen das südböhmische Atomkraftwerk Temelin an der tschechischen Grenze in Wullowitz nördlich von Freistadt in Oberösterreich teil. Organisiert wurde die Demonstration diesmal von Ärzten aus Bayern, Oberösterreich, Niederösterreich und Tschechien. Daher standen auch die gesundheitlichen Folgen eines Katastrophenfalls im AKW Temelin im Mittelpunkt.

"Keine ausreichende Hilfe"

Die Ärztevertreter warnten sowohl bei der Kundgebung - sie traten hier in weißen Mänteln auf - als auch bei einer Pressekonferenz vor den Gefahren eines Störfalls in Temelin. Vor allem wiesen die Mediziner darauf hin, dass es in diesem Fall nur beschränkte Möglichkeiten zum Schutz der Bevölkerung gebe. Beispielsweise würden die Kalium-Jod-Tabletten nur die Schilddrüse, aber nicht das Knochenmark vor der Radioaktivität schützen. Der Sprecher der Ärzte, Norbert Prammer aus dem Mühlviertel, sagte es unumwunden: "Wir müssen darauf hinweisen, dass wir Ärzte im atomaren Katastrophenfall keine medizinisch ausreichende Hilfe anbieten können."

"Südböhmische Mütter gegen Atomgefahren"

Außerdem sagten die Ärzte, die Empfehlungen, die im Rahmen des Zivilschutzes an die Bevölkerung ausgegeben werden, seien zwar theoretisch sinnvoll, es sei aber höchst zweifelhaft, ob die empfohlenen Maßnahmen in der Praxis auch tatsächlich funktionieren werden. Die Bevölkerung habe keine Erfahrung im Umgang mit Radioaktivität, daran würden die Maßnahmen zumindest für die breite Masse vermutlich scheitern.

Die tschechischen Ärzte wiederum erklärten, dass bei ihnen die Information über das richtige Verhalten und über medizinische Maßnahmen bei einem radioaktiven Zwischenfall in Temelin nicht ausreichend seien. Selbst die Ärzte und auch die Spitäler seien darauf nicht entsprechend vorbereitet. In diesem Zusammenhang erklärte eine Sprecherin der Vereinigung "Südböhmische Mütter gegen Atomgefahren": "Unsere Situation für einen Katastrophenfall in Temelin ist sehr, sehr trist." (APA)

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