Milosevic lehnt von UNO ernannte Berater ab

17. November 2001, 15:24
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Keine Zusammenarbeit mit Tribunal

Belgrad/Den Haag - Der als mutmaßlicher Kriegsverbrecher angeklagte frühere jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic lehnt die vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag beschlossene Ernennung von zwei "juristischen Beratern" ab. Milosevic habe seine Entscheidung am Samstag telefonisch seinem Belgrader Anwalt Zdenko Tomanovic mitgeteilt, meldete die Nachrichtenagentur FoNet unter Berufung auf Tomanovic.

Das Tribunal hatte am Vortag den ehemaligen amerikanischen Justizminister Ramsey Clark und den britischen Rechtsanwalt John Livingston als Berater ernannt. Der Ex-Diktator weigert sich nach wie vor, selbst einen Anwalt zu benennen, der ihn gegen Anklagen wegen Verbrechen im Kosovo-Krieg und im Kroatien-Konflikt verteidigt. Er bestreitet die Rechtmäßigkeit des Tribunals und lehnt jede Art von Zusammenarbeit ab.

"Freunde des Gerichts"

Die amtlich ernannten Berater sollten sich nach den Vorstellungen des UNO-Tribunals mit dem in Scheveningen inhaftierten Angeklagten beraten, ohne dass Vertreter des Tribunals mithören. Dies wird nur offiziellen Verteidigern zugestanden. Um Milosevic eine angemessene Verteidigung zu ermöglichen, habe das Tribunal eine Ausnahme gemacht, sagte ein Sprecher.

Früher hatte das Gericht bereits drei Juristen als "Freunde des Gerichts" benannt, die die Einhaltung juristischer Grundprinzipien in dem Verfahren überwachen sollen. Sie seien in erster Linie Gesprächspartner der Richter, wurde betont. Milosevic hat jede Zusammenarbeit auch mit ihnen abgelehnt. Milosevic war Ende Juni von Belgrad an das Tribunal ausgeliefert worden. Der Prozess gegen ihn soll Anfang nächsten Jahres beginnen. (APA/dpa)

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