Rabbani nach Kabul zurückgekehrt

17. November 2001, 21:26
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Exil-Präsident verspricht Übergangsregierung auf breiter Basis - Kritik aus dem Umfeld des Ex-Königs

Kabul - Der 1996 von den Taliban aus Kabul vertriebene afghanische Staatspräsident Burhanuddin Rabbani ist am Samstag in die Hauptstadt zurückgekehrt und hat die baldige Einsetzung einer multiethnischen Übergangsregierung auf breiter Basis versprochen. Er sei nicht gekommen, um für die Nordallianz die Macht in Besitz zu nehmen, sagte er bei seiner Ankunft. Er werde den Willen des Volkes respektieren, betonte Rabbani, der in einem schwer bewachten Konvoi aus 15 Fahrzeugen von Vertretern verschiedener Fraktionen der Nordallianz begleitet wurde. Rabbani hat eine Generalamnestie verfügt, von der nur Kriegsverbrecher ausgenommen sind.

Regierungsverhandlungen in Kabul

Ein Sprecher der Nordallianz, auf welche sich Rabbanis international anerkannte Regierung stützt, hatte noch kurz zuvor erklärt, der Exil-Präsident werde vorerst nicht in die Hauptstadt zurückkehren. Die USA, Russland und die Vereinten Nationen wollen nach den Worten des russischen Verteidigungsministers Sergej Iwanow in Kabul über die zukünftige Regierung für Afghanistan verhandeln. Darauf hätten sich die Präsidenten Wladimir Putin und George W. Bush bei ihrem Gipfel in den USA geeinigt, sagte Iwanow am Samstag in Moskau.

Neue Regierung muß alle ethnischen Gruppen umfassen

Ein Vorauskommando russischer Regierungsvertreter war am Freitagabend nach Tadschikistan geflogen, um von dort aus nach Kabul zu gelangen und Kontakt zur Führung des international anerkannten Präsidenten Rabbani aufzunehmen. Eine neue Regierung für Afghanistan müsse "alle ethnischen Gruppen umfassen, und in erster Linie die Paschtunen", sagte Iwanow. Auch der stellvertretende UNO-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Francesc Vendrell, traf am Samstag in Kabul ein.

Kritik aus dem Umfeld des Ex-Königs

Ein Vertrauter des ehemaligen afghanischen Königs Mohammed Zahir Schah hat die Rückkehr Rabbanis kritisiert. Die Rückkehr sei ein Versuch der Machtübernahme, sagte Abdul Sirat in Rom. Die afghanische Bevölkerung müsse Gelegenheit bekommen, ihren Willen zu äußern und ihre Vertreter selbst zu wählen. "Wir sollten uns dem Volk nicht aufzwingen, insbesondere wenn man bedenkt, dass das in der Vergangenheit schon mehrfach versucht worden und jedesmal gescheitert ist", sagte Sirat.

UNO-Beauftragter eingetroffen

Unterdessen traf der UNO-Beauftragte für Afghanistan, Francesc Vendrell, in Kabul ein, um die Nordallianz zu einer Konferenz der verschiedenen afghanischen Bevölkerungsgruppen einzuladen. Als Stellvertreter des UNO-Sondergesandten für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, habe Vendrell die Aufgabe, die Lage vor Ort zu analysieren und Gespräche mit den Vertretern der Nordallianz zu führen, teilte ein Sprecher der Vereinten Nationen mit. Brahimi hatte am Dienstag einen Fünf-Punkte-Plan für die politische Zukunft des Landes vorgelegt. Der Plan sieht unter anderem die Einberufung einer Konferenz mit Vertretern aller ethnischen Gruppen in Afghanistan vor.

Eine Versammlung lokaler Stammesführer bestellte am Samstag den Kommandanten der Nordallianz Hadji Abdul Kadir zum Gouverneur der ostafghanischen Provinz Nangahar. Nach dem Rückzug der Taliban-Miliz aus der Provinzhauptstadt Jalalabad normalisiere sich die Lage, sagte das Mitglied des Ältestenrats, Hadji Hayatullah. Kadir, der Bruder des von den Taliban hingerichteten Oppositionsführers Abdul Hak, war vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban im September 1996 schon einmal Statthalter der Provinz Nangahar gewesen. Er ist einer der wenigen Paschtunen in den Reihen der Nordallianz. (APA)

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