Piero Fassino neuer Parteichef der italienischen Linksdemokraten

17. November 2001, 19:51
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Er wünscht sich auch gleich eine neue sozialdemokratische Partei

Rom - Der neue Chef der italienischen Linksdemokraten (DS), Piero Fassino, hat am Samstag beim Parteikongress in Pesaro für die Gründung einer großen sozialdemokratischen Gruppierung nach europäischem Modell plädiert, in der die linksorientierten Parteien der oppositionellen Mitte-Links-Allianz "Ölbaum" (Ulivo) zusammenfließen sollen. Vor dem Kongress, der ihn am Freitag zum neuen Parteichef bestellt hatte, rief Fassino die DS-Anhänger auf, für eine Partei zu arbeiten, die unterschiedlichen "Komponente" der Mitte-Links-Allianz vereinen und eine breitere Wählerschaft haben könne.

"Entweder man verändert sich, oder man stirbt", lautet Fassinos Slogan. Er unterstützt den Vorschlag des Regierungschefs Giuliano Amato, der als erster die Umwandlung der DS in eine sozialdemokratische Partei nach europäischem Muster vorgeschlagen hatte. Ob es sich dabei um eine neue Partei oder um eine Parteienföderation handeln soll, ist ein offener Punkt, den die DS-Delegierten in Pesaro bis Sonntag diskutieren werden.

"Neuer Sauerstoff"

Die Gründung einer neuen Partei sei laut Fassino der einzige Weg, um der krisengeschüttelten DS neuen Sauerstoff zu sichern. Die Linksdemokraten haben sich nur mit Mühe an die Bänke der Opposition in einem Parlament gewöhnt, in dem der Berlusconi-Block über die absolute Stimmenmehrheit verfügt. Der seit Jahren anhaltende Stimmenschwund scheint auch nach dem Debakel bei den Parlamentswahlen im Mai nicht nachgelassen zu haben. Jüngsten Umfragen zufolge würden heute nur 13 Prozent der Italiener die DS wählen, im Mai waren es noch 16 Prozent.

Mit Fassino hoffen die Linksdemokraten auf den Beginn einer neuen Ära. Der Ex-Justizminister, der im Frühjahr den Wahlkampf des "Ulivo" an der Seite des Oppositionschefs Francesco Rutelli geführt hatte, besiegte bei der Wahl am Freitag problemlos seinen Rivalen, Giovanni Berlinguer, Bruder des 1984 gestorbenen KPI-Chefs Enrico Berlinguer. Der 71-jährige Universitätsprofessor aus Sardinien trägt zwar den klangvollen Namen einer historischen Familie der italienischen Linken, sein Vorschlag einer Annäherung der Linksdemokraten an die altkommunistische "Rifondazione Comunista" und an die Anti-Globalisierungsbewegung, um die linksorientierte Komponente des "Ulivo" zu stärken, löste allerdings unter den Delegierten keine Begeisterung aus. (APA)

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