Sinkende IT-Gagen

19. November 2001, 10:08
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Personalmarkt bis auf bestimmte Segmente gesättigt

"Die Arbeitsmarktsituation bei IT- und Telekom-Unternehmen hat sich im letzten Jahr entspannt", erklärt Roman Strauss, Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensberatung, bei der Präsentation der Studie "IT Fachkräfte, wie knapp sind sie wirklich?".

Kein Mangel an Arbeitskräften

So haben mehr als die Hälfte von 54 der Top-300-IT- und Telekom-Unternehmen, bei einer telefonischen Befragung im September dieses Jahres, angegeben, keinen Mangel an Arbeitskräften zu verzeichnen.

Personalabbau und Konkurse

Durch den Personalabbau der Branchenführenden sowie durch Konkurse vieler Start-ups, sei es nun zu einer Sättigung des noch vor einem Jahr sehr angespannten Arbeitsmarktes gekommen.

Nachfrage bei Entwicklern

"Trotz der Erholung besteht in bestimmten Segmenten aber nach wie vor Bedarf", berichtet Caroline Kuscher, Consultant der Unternehmensberatung. Große Nachfrage herrsche nach qualifizierten Entwicklern, technischen Kundenberatern sowie Vertriebsmitarbeitern.

Firmeninterne Ausbildung

Um diesen Bedarf zu decken, stehe bei befragten Betrieben die firmeninterne Ausbildung an erster Stelle - gefolgt von Inseratenschaltung und interner Personalentwicklung. Weiters war der Großteil mit den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung nicht zufrieden. Verbesserungspotenziale der Politik sieht die IT-und Telekom-Branche vor allem in der Erleichterung der Zuwanderung, einer Ausbildungsoffensive und der Senkung der Lohnnebenkosten.

Schlechtes Zeugnis für das Arbeitsmarktservice

Und dem Arbeitsmarktservice (AMS) stellten die Firmen ein schlechtes Zeugnis aus und sprachen ihm Kompetenz ab. Weiteres Ergebnis der Untersuchung: 62 Prozent der Firmen sind der Meinung, dass immer mehr qualifizierte Leute, immer weniger adäquaten Positionen gegenüberstehen. "Heute haben jene gute Chancen, die eine abgeschlossene Ausbildung vorzuweisen und vor allem Berufserfahrung haben - so etwa Fachkräfte, die von Topfirmen abgebaut wurden", erklärt Strauss.

Verlierer seien Arbeitskräfte mit unvollständiger Ausbildung oder Autodidakten. Im Zuge der Aufnahmewelle letzten Jahres seien diese ins kalte Wasser gestoßen worden, verfügten heute zwar über nötige Grundkenntnisse, hätten jedoch zu wenig Praxis.

Strauss: "Unbestritten ist, dass sich Fachkräfte, die auf der Strecke bleiben, künftig unter ihrem Wert verkaufen beziehungsweise Jobs annehmen müssen, die ihrer Qualifikation nicht entsprechen." Auch das Lohnniveau werde sich ändern: "Die Gagen werden um zehn Prozent sinken, variable Gehaltsanteile zunehmen", so Kuscher. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Von Silvia Stefan
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