Der erste Euro kam zu früh

16. November 2001, 21:24
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Rückholaktion einer Innung: Euromünzen waren nur kurz "persönlicher Glücksbringer"

Wien - Das Glück der Beschenkten war nur von kurzer Dauer: der erste Euro - als "persönlicher Glücksbringer", zugeschickt von der "Landesinnung Wien der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger". Zwei Wochen später kam ein zerknirschtes Schreiben der Gebäudereiniger: Das "als nette Geste gedachte" Euroschenken war "rechtlich nicht gedeckt". Dazu ein frankiertes Kuvert mit der Bitte, den Euro wieder zurückzuschicken.

Dass dies ausgerechnet einer Innung der Wirtschaftskammer passierte, konnte der für die Euroumstellung zuständige Nationalbank-Direktor Wolfgang Duchatczek kaum glauben: "Meine Freude war eine begrenzte. Von dort hätte ich das am allerwenigsten erwartet. Denn sonst funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kammern wirklich hervorragend."

Das Argument, der Euro sei ja nicht als Zahlungsmittel, sondern "als Gedenkmünze" verschickt worden, half auch nichts - die Rückholaktion musste gestartet werden, sonst droht eine Pönale von fünf Prozent des Geldwertes. "Das ist nicht wirklich abschreckend", gibt Duchatczek zu, "ich bin aber auch dagegen, gleich mit der Dicken Berta aufzufahren.

Es seien auch nur einige wenige, die den Euro vor dem 1. 1. 2002 in Umlauf brachten. Zehn Fälle seien bekannt geworden - davon seien acht bereits "aufgeklärt und abgeschlossen". Und dies sei durchaus im europäischen Schnitt, betont Duchatczek. "Und zum Glück hatten wir noch keinerlei kriminelle Aktivitäten." In Deutschland etwa kamen schon Euros bei Überfällen abhanden.

(DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2001)
von Roman Freihsl
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