Belgrad: Spezialeinheit meutert

16. November 2001, 20:54
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"Rote Baskenmützen" wollen Kopf des serbischen Innenministers

Gespannte Spannung in Belgrad: Die als "rote Baskenmützen" bekannte "Einheit für spezielle Operationen" fordert beharrlich den Rücktritt des serbischen Innenministers Dusan Mihajlovic. "Kompromisslos", so ein Offizier der Einheit. Des Weiteren lehnten die "Baskenmützen" eine Umstrukturierung ihrer Einheit ab, die die serbische Regierung angeordnet hat.

Serbiens Premier Zoran Djindjic versuchte zunächst, mit den "Baskenmützen" zu verhandeln, doch als dies danebenging, setzte er auf die harte Tour: Er lehnte dezidiert den Rücktritt seines Innenministers ab und drohte die Spezialeinheit aufzulösen, sollten sie die Meuterei nicht sofort einstellen. Diese Drohungen verpufften allerdings wirkungslos.

Dass es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Regierung und Baskenmützen kommen könnte, glaubt bis jetzt niemand so recht. Doch ihr Stützpunkt bei der Stadt Kula wird von Panzern und maskierten Kämpfern in voller Kriegsausrüstung bewacht. Auch vor dem Innenministerium in Belgrad stehen Polizisten mit Schnellfeuerwaffen.

Verfahrene Situation

Die ehemalige Gefolgschaft von Slobodan Milosevic hat sich schon auf die Seite der "Baskenmützen" geschlagen. Doch auch Jugoslawiens Präsident Vojislav Kostunica machte für die verfahrene Situation die serbische Regierung verantwortlich. Die "Baskenmützen" sind eine 1991 während des Krieges gegründete Einheit. Sie verfügen über Panzer und Kampfhubschrauber und sind somit bestens ausgerüstet. Wie viele Leute sie umfasst, ist unklar, doch sie sind ausgebildet, allein eine ganze Frontlinie halten zu können. Rechtlich ist der Status der militärisch-polizeilichen Einheit nicht geregelt. Verschiedene Analytiker in Belgrad sehen die Meuterei der "Baskenmützen" als Reaktion auf die immer engere Zusammenarbeit der serbischen Regierung mit dem Haager Tribunal. Für die Verhaftung der Angeklagten war bisher Innenminister Mihajlovic verantwortlich. Der Weg über die in Kroatien, Bosnien und dem Kosovo eingesetzten Einheiten könnte direkt zur jugoslawischen Militärspitze und dem aktuellen Generalstabschef Nebojsa Pavkovic führen.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18. November 2001)
Von STANDARD-Korrespondent Andrej Ivanji aus Belgrad

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