Kunst in Kisten

16. November 2001, 19:12
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"Arteast Collection 2000+" in der Innsbrucker Orangerie

STANDARD-Mitarbeiterin Ursula Philadelphy

Innsbruck - Kunst in Kisten. In riesigen Transportkisten: Arteast Collection 2000+, kuratiert von Peter Weibel, dem Chefkurator der Neuen Galerie Graz, und Zdenka Badovinac, stellt in der Orangerie des Innsbrucker Congress die Sammlung der Moderna galerija Ljubljana vor, das Design stammt von der Laibacher Künstlergruppe New Collectivism.

Anlass der ungewöhnlichen Schau ist eine Tagung der Kulturminister, zu der Kunststaatssekretär Franz Morak, wie berichtet, seine mittel- und osteuropäischen Kollegen einlud. Und was liegt da näher, als auf eine der wahrscheinlich spannendsten Sammlungen zurückzugreifen? Multikulturalismus oder Retroavantgarde sind nur einige der Schlagworte, mit denen man versucht, diese grenzüberschreitende Sammlung doch irgendwie zu definieren. Natürlich steht die Medienkunst im Zentrum - und unweigerlich fragt sich der Besucher, ob wieder einmal die Technik ihren Geist aufgegeben hat, wenn man auf dem blauen Bildschirm weißes Liniengeflimmere auf schwarzem Grund sieht.

Alexander Roitburds Video, das die "psychedelische Invasion des Panzerkreuzers Potemkin in Sergej Eisensteins tautologischen Halluzinationen" behandelt, kommt ebenso gut an, wie Vladimir Kupriyanovs Fotografien Gedenken an Puschkin aus dem Jahr 1984. Manches erscheint bizarr, anderes wiederum betont provokant improvisatorisch präsentiert, wie etwa Anatoly Osmolovskys Computerausdruck von einer Fotoarbeit, neben dem die Bemerkung zu lesen ist, dass diese Arbeit üblicherweise in einem Metallrahmen gezeigt wird.

Die mehr oder weniger frühe Avantgarde des Ostens wurde um dialogfähige Blicke in den doch etwas anderen künstlerischen Westen erweitert, und das sich daraus entwickelnde konzeptuelle Experiment schließt Namen wie Kasimir Malewitsch, Jií Valoch, Milica Tomic und Sanja Ivecovic mit ein.

Provokation am Balkon

Von Ivecovic, im Frühling mit einer Personale in der Taxisgalerie vertreten gewesen, wird im Rahmen von Arteast Collection 2000+ ihre dreiteilige Fotodokumentation der 1979 entstandenen Performance Triangle gezeigt. Die Künstlerin provozierte damals anlässlich eines Präsidentenbesuches in Zagreb die Polizei, indem sie auf ihrem Balkon scheinbar masturbierte, Whiskey trank, rauchte und in einem Buch las. Der am Hochhaus gegenüber postierte Polizeibeamte klingelte kurz danach an der Türe der Künstlerin und forderte sie auf, "Personen und Objekte vom Balkon zu entfernen".

(DER STANDARD, Print, 17.11.2001)
Bis 21. 11.
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