Eine Collage aus kleinen Gesten

19. November 2001, 00:01
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Maximilian Schell zu Gast in Wien

Wien - Maximilian Schell ist in seiner Geburtsstadt, um den "Life Award" der Siemens Academy of Life entgegenzunehmen, zum anderen steht er Jungmanagern in Workshops zur Verfügung. Was er dort erzählen wird, das weiß er noch nicht so genau - das wird, so meint er, von den Fragen abhängen. Diese Herangehensweise, sich einfach von etwas anleiten zu lassen und es dann zu vertiefen, setzt sich auch in den Beschreibungen seiner Arbeitsweise fort:

Manchmal traumhaft,...

Kommenden Frühling wird sein jüngster Film ins Kino kommen, Meine Schwester Maria, ein Porträt, keine Dokumentation: "Ich mag das Wort Dokumentation eigentlich nicht. Bei mir wird das Dokumentarmaterial anders eingesetzt." Nämlich manchmal traumhaft, manchmal als Ausblick auf eine Realität. Noch einmal dadurch verkehrt, dass er zum Teil mit Spielfilmausschnitten arbeitet . . .

"Ja, aber das finde ich schön, weil es auch wieder doppelsinnig ist. Wenn ich etwa Szenen aus den Ratten oder der Letzten Brücke nehme, eine gewisse Einfachheit sichtbar wird, die Maria ja in ihrem Spiel erreicht hat, dann erzählt das über sie selber fast genauso viel. Das Wichtige ist, dass man diese Szenen wie eine Collage zusammensetzt und verbindet mit Sachen, die sie besitzt, oder einem Gang durch den Schnee. Und deshalb finde ich das Wort Dokumentation nicht ganz zutreffend."

Der 70-jährige Schauspieler, Regisseur und Autor ist auch anderweitig viel beschäftigt. In Los Angeles hat er den Lohengrin inszeniert - die Premiere war ursprünglich für den 12. September angesetzt. Die äußeren Ereignisse haben die Kunst eingeholt, aber gleichzeitig sei der Lohengrin eben plötzlich nicht mehr nur ein Märchen gewesen, sondern auch eine politische Parabel.

Noch viele Filme im Kopf

Seit anderthalb Jahren bereitet er sich außerdem für den Film Maestro auf die Rolle eines Dirigenten vor, lernt dirigieren und schätzt dabei vor allem die kleinen Gesten - so wie sie etwa James Stewart in der Glenn Miller Story setzte.

Filme, die er verwirklichen möchte, sagt er, habe er noch viele im Kopf. Keine "Gute-Nacht-Geschichten", wie sie Hollywood so gerne produziere: "Ein wirklich guter Film ist einer, den man nicht erzählen kann."

(irr - DER STANDARD, Print, Sa./So., 17.11.2001)
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