Kaffee mit Akt

16. November 2001, 19:10
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Die "Neue Galerie" - Sabarskys Sammlung von Egon Schiele und deutschem Expressionismus - schmückt New Yorks Museumsmeile Fifth Avenue

Nach Rudolf Leopold hat nun auch der zweite große Schielephile ein Museum bekommen: Serge Sabarsky trifft die Ehre leider posthum. Die "Neue Galerie" - Sabarskys Sammlung von Egon Schiele und deutschem Expressionismus - schmückt New Yorks Museumsmeile Fifth Avenue.

Susi Schneider

New York - "Freitag ist ei- ner jener seltenen Tage", schwärmt die New York Times, "an dem New York seinen Kulturreichtümern ein neues Museum hinzufügt." Die nicht nur in der Kunstwelt mit großer Spannung erwartete Eröffnung der Neuen Galerie auf der "Museumsmeile", dem Bereich auf der Fifth Avenue, auf dem sich unter anderem auch das Metropolitan Museum und das Guggenheim Museum befinden, fand unter breitem Medienecho statt.

New Yorks prestigereiche Zeitung teilt ihren Lesern auch fürsorglich mit, wie sie den Namen dieser neuen Kulturinstitution auszusprechen haben: "Neue reimt sich auf Goya". Und wird bereits jetzt in eine Reihe mit zwei der wohl berühmtesten Privatmuseen in New York gestellt - der Frick Collection und der Pierpont Morgan Library.

Das Gebäude, ein Stadtpalais an der Ecke der 86. Straße und Fifth Avenue, wurde 1914 von den beiden Architekten der New York Library, Carrère und Hastings, erbaut, im Laufe der Jahre zunächst von den Vanderbilts als Wohnsitz erworben und diente später dem YIVO Institut für jüdische Forschung als Hauptsitz. 1994 erwarb es die Serge-Sabarsky- Stiftung, von der es schließlich von Ronald S. Lauder, dem ehemaligen US-Botschafter in Wien, erstanden wurde.

Serge Sabarsky gehörte bis zu seinem Tod zu den wohl schillerndsten unter den österreichischen Emigranten in New York - er besaß nicht nur einen ausgeprägten Kunst-und Geschäftssinn, sondern war auch mit einer gehörigen Portion von echtem Wiener Charme ausgestattet. Der Kunsthändler Sabarsky besaß eine umfangreiche Sammlung österreichischer und deutscher Kunst des Expressionismus und wurde vor allem als leidenschaftlicher Schiele-Sammler bekannt. Als solcher machte er enormen Eindruck auf einen 13-jährigen Buben aus der Kosmetikdynastie Lauder: Ronald S. Lauder kaufte seinen ersten Schiele mit Geld, das er für sein Bar-Mizwa erhalten hatte.

Männerfreundschaft

Sabarsky wurde zum Mentor des jungen Kunstsammlers, und die beiden Männer verband eine langjährige Freundschaft, die nun auch über Sabarskys Tod im Jahr 1996 hinaus andauert. "Dieses Museum war ein Traum von Serge Sabarsky", erklärte die Direktorin der Neuen Ga- lerie, Renée Price, die von 1981-1988 die Sabarsky-Galerie in New York geleitet hatte, dem STANDARD:

"Es ist nicht nur sein Vermächtnis, sondern auch ein Tribut an die Freundschaft zwischen ihm und Ronald Lauder. Indem er den Wunschtraum von Serge Sabarsky wahr macht, erfüllt er sich auch seinen eigenen Traum." Das Wiener Kaffeehaus, von Kurt Gutenbrunner geleitet, dem auch das erfolgreiche österreichische Restaurant Wallse gehört, wurde als Hommage an den Initiator des Museums Café Sabarsky genannt. Noch kurz vor seinem Tod hatte er darauf bestanden, dass man "einen g'scheiten Kaffee" serviert. Renée Price glaubt, dass sich Sabarsky in "seinem" Café wohl fühlen würde.

Neben dem Kaffeehaus findet man in dem sechsstöckigen Gebäude nicht nur einen Bookshop, sondern auch einen speziellen Design-Shop, von dem sich Renée Price Besonderes erwartet - auch Einnahmen für die Neue Galerie. Denn selbst wenn der Besitzer dieses nicht auf Gewinn ausgerichteten Unternehmens (non-profit-organization) so vermögend ist wie Ronald Lauder, ist Geld trotzdem "definitiv ein Problem".

Die Eröffnungsausstellung der Neuen Galerie, Neue Welten: Deutsche und österreichische Kunst, 1890-1940 beinhaltet unter anderem Werke von Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka sowie Paul Klee, Otto Dix und George Grosz. Auf den 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden auch in Hinkunft nicht nur die ständige Sammlung, sondern immer wieder neue Ausstellungen mit entsprechenden Leihgaben gezeigt werden.

(DER STANDARD, Print, 17.11.2001)
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