Terror statt Tunesien

16. November 2001, 17:46
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Run auf "Sicher und nah"-Ziele läßt heiße Quellen boomen

Wien - Gut, besser, am besten. In der heimischen Thermenlandschaft schlagen die Superlative derzeit hohe Wellen. Sie erfüllen als Urlaubsdestination genau die Anforderungen der Gäste, die vor allem eines wollen, nämlich nah und sicher urlauben. Karibikwarmes Wasser, Wellness in Kombination mit der Flugangst als Folge der Terroranschläge in New York und Washington lassen die heimischen Thermen derzeit besonders boomen.

Auch wenn sich niemand aufdringlich laut über diesen Effekt freuen will, verfestigt sich doch eines: "Die Leute bleiben derzeit einfach lieber zu Hause, auch wenn sie nicht aufs Ferienfeeling verzichten wollen", stellt etwa Gabriele Klampfer, Betriebsdirektorin der burgenländischen Sonnentherme Lutzmannsburg, bei einem Rundruf des Standard fest.

Rekorde in Sicht

Das gleiche Bild auch in der oberösterreichischen Europatherme Aquapulco in Bad Schallerbach, wo lange Schlangen von potenziellen Badegästen vor den Kassen diese entsprechend klingeln lassen. Aquapulco-Direktor Markus Achleitner rechnet heuer mit einem Besucherrekord von über 600.000 Menschen (2000: 560.000). Der ausgeprägte Trend zum Wellnessurlaub werde durch die negative weltpolitische Situation derzeit noch verstärkt, so der Touristiker.

Aber nicht nur die Österreicher selbst, sondern auch die potenziellen Urlauber im Radius einer Tankfüllung treiben die Buchungs- und Auslastungszahlen in die Höhe. So bereitet man sich im steirischen Thermenland derzeit vor allem "auf einen Ansturm italienischer Gäste vor". Bis auf ein paar Einzelzimmer sei man bis Dezember völlig ausgebucht, heißt es.

US-Gästeausfall kompensiert

Was der Chef der Rognertherme Blumau, Alfred Hackl, nur unterstreichen kann. Der derzeitige Ausfall der US-Gäste könne erfolgreich mit Urlaubern aus Italien, Taiwan und Korea kompensiert werden. Diesen Realitäten will man sich dadurch anpassen, dass man erst im Herbst 2002 wieder um Touristen in den Staaten werben werde", so Hackl. Früher mache es einfach keinen Sinn.

Weil die Thermen aber so einträglich sind, wird derzeit schon an neuen Projekten gefeilt. So wird man bereits ab 2002 auch in Laa/Thaya (Investition: 400 Mio. S) in einer "Therme der Sinne" relaxen können und in Sölden/Tirol soll eine Milliarde Schilling in ein neues Warmwasserbad gepumpt werden.

Österreich-Urlaube sind derzeit aber generell heiß nachgefragt. Vor allem Gäste aus Deutschland, Kroatien, Ungarn und aus den Niederlanden werden die Betten in der Ferienhotellerie füllen.

Insgesamt erwartet die Tourismusbranche in der laufenden Wintersaison einen Sprung der Einnahmen um knapp fünf Prozent auf 120 Mrd. S, (8,7 Mrd. €) und auch die 55,3 Millionen Nächtigungen des Vorjahres dürften übertroffen werden. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 17.11.2001)

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