Streicher wirft M1-Motor an

16. November 2001, 17:29
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Ex-ÖIAG-Chef macht sich mit altem Steyr-Motorenprojekt selbstständig

St. Valentin - Dem zu Jahresbeginn 2001 als Chef der Verstaatlichtenholding ÖIAG verabschiedeten Rudolf Streicher ist die neue Tätigkeit als Unternehmensberater offenbar nicht herausfordernd genug. Zumindest einen Teil seiner ÖIAG-Abfertigung in Höhe von 19 Mio. S (1,38 Mio. €) will er nun in die Reaktivierung seines alten Lieblingsprojektes investieren, den von der früheren Steyr-Daimler-Puch AG (SDP) entwickelten M1- Dieselmotor. Enge Freunde von Streicher, der vor seiner ÖIAG-Zeit Generaldirektor von Steyr war, sprechen liebevoll von einer "Spielerei".

Die Patentrechte am M1- Motor, der trotz horrender Entwicklungskosten nie in großer Serie gebaut wurde, hält heute der Magna-Konzern von Frank Stronach, der sich Steyr-Daimler-Puch im Jahr 1998 einverleibte. Gemeinsam mit Rudolf Manndorfer, dem langjährigen Chef der Steyr- Motorentechnik, und in der Startphase 35 Mitarbeitern will Streicher auf dem Magna- Gelände in St. Valentin (NÖ) den Motor nun in kleiner Serie für Schiffe und Boote montieren lassen. Eine eigene Firma mit dem Arbeitstitel "Steyr Motors" sei in Gründung, heißt es in St. Valentin. Als Umsatzziel sollen Streicher, Exverkehrsminister und einstiger SP-Präsidentschaftskandidat, und Steyr-Manager Manndorfer einen Wert jenseits der 60-Millionen-Schilling-Grenze anpeilen.

"Wir sind in Verhandlung"

In der Magna-Zentrale in Oberwaltersdorf gibt sich Pressechef Andreas Rudas wortkarg. "Wir sind in Verhandlung", mehr ist ihm nicht zu entlocken. Auch der Sprecher der Steyr Fahrzeugtechnik, Herfried Teschl, erzählt in diesem "embryonalen Frühstadium" keine Details. Streicher war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Manndorfer sagt: "Das will ich nicht in der Zeitung lesen."

Das wichtigste Konstruktionsdetail des M1-Dieselmotors ist die Einspritzpumpe und -düse, die eine hohe Motorenleistung bei niedrigem Verbrauch garantiert. Als "Pumpe-Düse" von Bosch als Magna-Lizenznehmer gefertigt, findet sich diese Entwicklung heute in praktisch allen neuen VW-Modellen wieder. Bosch zahlt an Magna bis zu 100 Mio. S an Lizenzgebühr pro Jahr, sagt Anton Dolenc, früherer SDP-Entwicklungschef. Dolenc: "Streicher war seinerseits der Einzige, der das Marktpotenzial des M1 verstanden hat." (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 17.11.2001)

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