Dohnal: Frauen an politischer Lösung in Afghanistan beteiligen

16. November 2001, 15:36
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Überparteilicher Frauenrat begreift sich als "Stimme der Vernunft" gegen patriarchalischen Militarismus

Wien - In Österreich formiert sich ein überparteilicher "Frauenrat gegen Krieg und Terror" als "Stimme der Vernunft", wie es die frühere Frauenministerin Johanna Dohnal (S) am Freitag in einer Pressekonferenz formuliert hat. Prominente Frauen haben an dieser Vorstellung teilgenommen und die Situation der Menschen in Afghanistan, besonders der Frauen, aus ihrer persönlichen Sicht beleuchtet. Resumee: Eine politische Lösung für Afghanistan dürfe nicht ohne Mitwirkung der Frauen erfolgen.

"Humanitäre Hilfe und Beendigung aller Kriegshandlungen", formulierte die Grüne Gemeinderätin Monika Vana das Anliegen der Frauen: "Wir protestieren gegen die männliche Dominanz in der Sicherheitsdebatte. Österreich soll als neutrales Land aktive Friedenspolitik betreiben". Gegen Terrorbekämpfung der USA

Die Frauen wollen ihre Stimme erheben gegen die "Terrorbekämpfung" der USA. Für Irmtraut Karlsson, ehemalige Abgeordnete und Frauensekretärin der SPÖ, handelt es sich in Afghanistan um "keinen klassischen Krieg, weil das Internationale Rote Kreuz nicht vor Ort ist. Es ist ein von außen unterstützter Bürgerkrieg". Fragwürdig ist für sie, "wie schnell Schurkenstaaten zu Verbündeten werden". Karlsson regte die Installierung des Frauenrats in den österreichischen Bundesländern an.

In die Bundespolitik hineintragen wird die Klubobfrau der Grünen, Madeleine Petrovic, das Thema des Frauenrats: "Ja, wir sind froh über das Weichen der Taliban. Aber wie geht es weiter?" Petrovic fordert die gleiche Beteiligung von Frauen in einer neuen afghanistanischen Regierung. An Österreich appellierte sie einmal mehr um eine humane Flüchtlingspolitik. Anhand von praktischen Beispielen will sie im Parlament darauf hinweisen, wie zynisch und bar jeder praktischen Kenntnis der Zustände es in vielen Fällen sei, von Flüchtlingen Unterlagen über ihren Fluchtgrund zu verlangen.

Lunacek für aktive Friedenspolitik

Ulrike Lunacek, außenpolitische Sprecherin der Grünen, will von Österreich den Einsatz innerhalb der EU für eine aktive Friedenspolitik bzw. einen Vorstoß in der UNO, ein Tribunal für die Drahtzieher des Terrors einzurichten.

Symptomatisch ist für Dohnal, dass jetzt auf einmal die nicht vorhandenen Rechte von Frauen in Afghanistan gleichsam als Rechtfertigung für das militärische Einschreiten genannt werden - "bisher hat das keinen interessiert. Kriegshetze wird mit Solidarität begründet".

Die Rakete als phallisches Symbol

Die Autorin Hilde Schmölzer bringt es auf den Punkt: "Militarismus ist wesentlicher Teil einer patriarchalischen Gesellschaft, der sie trägt und schützt. Die Beziehung des Mannes zur Waffe ist eine besondere. Die Rakete ist ein phallisches Symbol. Das Gewehr ist die 'Braut' des Soldaten". Es wäre an der Zeit, dass Frauen in ihrem Bemühen, andere Möglichkeiten der Konfliktlösung zu suchen, ernst genommen werden.

Wie soll es weiter gehen? Eva Rossmann, Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens, ist überzeugt: "Ohne gleiche Beteiligung von Frauen gibt es keine Demokratie". Der Österreichische Frauenrat sammelt nun Unterstützungserklärungen - parteiübergreifend - und will Aktionen starten. (APA)

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