Scharfe Kritik der israelischen Rechten an Peres

16. November 2001, 16:53
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Umweltminister fordert Entlassung des Außenministers - Sharon-Büro: Außenminister drückte "persönliche Meinung" aus

Jerusalem/New York - Der israelische Außenminister Shimon Peres hat sich mit seinen Äußerungen über einen unabhängigen Palästinenserstaat Kritik der politischen Rechten und Linken in Israel eingehandelt. Ex-Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nannte die Erklärung von Peres vor der UNO-Vollversammlung, dass es in Israel "Unterstützung für die palästinensische Unabhängigkeit" gebe, ein "Indiz von schlechter Regierung". Der rechtsgerichtete Umweltminister Tzahi Hanegbi (Likud), enger Vertrauter von Premier Ariel Sharon, meinte: "Peres gehört nicht an den Kabinettstisch".

Peres: "Israel will die Palästinenser nicht beherrschen"

Der Spitzenpolitiker der Arbeiterpartei und Friedensnobelpreisträger hatte am Donnerstag vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York erklärt, Israel wolle die Palästinenser nicht beherrschen. "Wir wollen, dass sie die Freiheit atmen können, dass sie eine eigene Wirtschaft schaffen, ihre Traditionen pflegen können". "Obwohl dies noch nicht die offizielle Politik der Regierung in Jerusalem ist, gibt es Unterstützung für palästinensische Unabhängigkeit, für einen palästinensischen Staat", sagte der 78-Jährige.

Kritik auch von Links"

Die Worte von Peres stießen am Freitag auch bei der politischen Linken auf Kritik. Oppositionsführer Yossi Sarid vom linksliberalen Meretz-Bündnis meinte: "Der Außenminister sollte die Politik der Regierung vertreten und nicht nationale Stimmungen analysieren."

Sharon: "Personliche Meinung

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Haaretz" vom Freitag hatte Peres seine Rede mit Sharon abgesprochen, der in den vergangenen Wochen bereits zwei Mal angedeutet hatte, dass er einen Palästinenserstaat als Ergebnis von Friedensverhandlungen akzeptieren könnte. Peres änderte jedoch einen zunächst verbreiteten Redetext, in dem er sagte, dass "die große Mehrheit der Israelis" die Gründung des unabhängigen Palästina akzeptiere. "Dies ist seine persönliche Meinung" erklärte das Büro Sharons dazu.

Netanyahu: "Absurd einen Terrorstaat zu erlauben"

Netanyahu, der aus seinen Ambitionen auf eine Rückkehr in das Amt des Premiers keinen Hehl macht, verurteilte selbst die abgeschwächten Peres-Äußerungen. "Es ist absurd, Yasser Arafat die Gründung eines Terrorstaates im Herzen Israels zu erlauben", sagte er im israelischen Fernsehen. Peres habe "den Bezug zur Realität verloren". Der Außenminister hatte nach einer Unterredung mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan in New York gesagt, er sehe keine andere Lösung für den Nahost-Konflikt als einen eigenen Staat der Palästinenser. (APA/dpa)

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