Protonen vernichten präzise den Tumor

16. November 2001, 11:33
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Entsprechende Therapie für KrebspatientInnen steht vor der Tür

Erlangen - Die Strahlentherapie gegen Krebs bedeutet immer ein Risiko für gesunde Organe. Weil die Röntgenstrahlen und Elektronen breit streuen, wird die Dosis niedrig gehalten. Der Tumor kann dann allerdings nicht vollständig zerstört werden. Anders bei Protonen: Diese Strahlenart lässt sich präzise auf den Tumor richten und gibt auf dem Weg durch das gesunde Gewebe kaum Energie ab. In Erlangen geht die Lifebeam AG mit ihren Plänen für ein Protonenzentrum jetzt in die Detailphase.

Ende 2004 sollen bei Lifebeam die ersten Krebspatienten mit Protonen therapiert werden. Eine Klinik im kalifornischen Loma Linda wendet das Verfahren bereits seit 1990 an. Etwa 7.000 Patienten wurden dort bisher behandelt, wie Reinhold Müller, Medizinphysiker an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitbegründer von Lifebeam, erläutert. In Deutschland seien bisher nur wenige hundert Patienten an physikalischen Forschungszentren mit Wasserstoffkernen bestrahlt worden.

Protonen streuen kaum

"Bei der herkömmlichen Therapiemethode durchdringt die Strahlendosis auf dem Weg zum Krebstumor auch das gesunde Gewebe, oder es wird von zwei Seiten mit nur der Hälfte der notwendigen Dosis bestrahlt", erklärt Müller. Die Protonen dagegen streuen im Körper kaum. Wie weit sie eindringen, könne daher präzise berechnet und eingestellt werden. Das gesunde Gewebe werde auf diese Weise geschont, und die Dosis lasse sich ausreichend hoch verabreichen.

Scharf umrissene Tumore in der Nähe empfindlicher Nervenstränge und Organe seien besonders gut für die Protonentherapie geeignet. Dazu gehörten Prostatakrebs, Gehirntumore sowie Tumore an Wirbelsäule und Lunge. "Bei weit ausgedehnten Metastasen wie beim Brustkrebs ist die Protonentherapie nicht geeignet", sagt Müller. Diese Krebsarten müssen großflächig bestrahlt werden um mögliche weitere Ansätze abzutöten. Um den Tumor so gut wie möglich zu bekämpfen, plant Lifebeam, den Patienten in Zusammenarbeit mit der Uni Erlangen eine Kombination aus Chirurgie, Chemotherapie und Strahlenbehandlung anzubieten.

Exaktheit wichtig

Damit die Protonen ihr Ziel genau erreichen, muss der Patient laut Müller stets an exakt derselben Stelle bestrahlt werden. Individuell geschäumte Betteinlagen und optisches Abtasten mit strukturiertem Licht sollen den Erfolg der Methode garantieren. Pro Patient seien 25 Bestrahlungen verteilt auf fünf Wochen vorgesehen, erklärt der Medizinphysiker. Mit insgesamt zehn Stunden Bestrahlungszeit pro Tag könnten mindestens 1.600 Patienten im Jahr behandelt werden.

Das Protonenzentrum und die Uniklinik Erlangen-Nürnberg wollen in der Krebstherapie eng zusammenarbeiten. "Das Angebot, bei uns Strahlzeiten zu kaufen, wird aber für alle Kliniken in der Umgebung gelten", kündigt Müller an. Gute Voraussetzung für die Kooperation mit Erlangen werde die unmittelbare Nähe von der Uniklinik und dem geplanten Protonenzentrum sein. Auch der Austausch von Mitarbeitern gehöre dazu. Rund 100 Arbeitsplätze würden bei Lifebeam entstehen.

Die meisten nicht vom Lymphgewebe ausgehenden Tumore entstehen aus einer einzelnen Körperzelle. Daher muss der Tumor so früh wie möglich erkannt und gezielt bekämpft werden. In den Industrienationen ist Krebs nach den Gefäßerkrankungen die zweithäufigste Todesursache. (AP)

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