Der Zauber des Merchandising

16. November 2001, 10:52
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Harry Potter versus Pokemon - der Krieg um Weihnachten ist eröffnet

Wien- Schokofrösche, Schaumbäder, Bettwäsche und Pyjamas - so sehen die Vorboten des 23. November aus. Der Zauber des Harry Potter kommt in die Kinos und wird Warteschlangen in die Länge ziehen, Umsatzkurven in die Höhe treiben. Und das nicht nur in den Kinos, sondern auch bei den Vertreibern des dazu gehörenden Merchandising. Doch die Prognosen österreichischer Spielwarenhändler sind nur gedämpft optimistisch: Am Quidditch-Platz und im Kampf gegen den bösen Voldemort mag Harry Potter unbesiegbar scheinen, an der Verkaufsfront dürfte er den Pokemons vermutlich klar unterliegen.

"Kein neues Pokemon"

"Alles, was von namhaften Herstellern verfügbar ist, alle Neuheiten sind bei uns im Programm", zeigt sich der Geschäftsführer von Toys R Us Österreich, Franz Schweighofer, bestens vorbereitet. Man erwarte mit Harry Potter "den Renner des Weihnachtsgeschäftes". Exorbitante Höhenflüge im Umsatzbereich seien jedoch nicht möglich: "Harry Potter wird kein neues Pokemon-Thema, wir rechnen mit einem Drittel bis der Hälfte des Verkaufsvolumens", das mit den sympathischen fernöstlichen Computermonstern erzielt worden sei. Verantwortlich dafür sei nicht der geringere Bekanntheitsgrad des kleinen Zauberlehrlings, sondern der Umstand, dass es für Harry Potter "keine so große Lizenz und somit bei weitem nicht so viele Artikel gibt wie bei den Pokemons", präzisiert der Geschäftsführer.

Neben Artikeln der Hauptlizenz-Inhaber Lego ("Hogwarts Express", "Hogwarts Castle" etc.) und Mattel (Action-Hero-Figuren, elektronische Geschicklichkeitsspiele etc.) hält Schweighofer nach wie vor die Bücher für die wichtigsten Zugpferde. Die Anziehungskraft sollte bis Ostern anhalten, Weihnachten 2002 könnte es für Harry Potter nochmals für eine "Auslaufaktion" reichen, "wie das heuer bei den Pokemons der Fall ist." Zahlen zu Einkaufsvolumina, Umsatzerwartungen und dergleichen will weder der Österreich-Chef noch die Einkaufszentrale von Toys R Us in Köln nennen. Divisional Merchandise-Manager Helmut Hort gibt sich bedeckt: "Harry Potter ist eine große, wichtige Lizenz für uns. Die Erwartungen sind sehr hoch, soviel kann ich sagen."

Filmischer "Nachstoß"

"Gebremste Erwartungen", sowohl was das Weihnachtsgeschäft als auch die längerfristigen Absatzmöglichkeiten von Harry Potter-Artikeln betrifft, signalisiert der Geschäftsführer der Spielwarenabteilung im Kaufhaus Gerngross in der Wiener Mariahilfer Straße. "Das ist ein Lizenzprodukt von vielen, wir werden nicht besonders reagieren, wir sind nicht in Harry Potter-Euphorie verfallen", erläuterte Gregor Aichholzer: "Wir waren sehr zurückhaltend in der Disposition." Die Nachfrage sei derzeit sehr gering, mit einem Run rechnet Aichholzer erst mit dem Filmstart: "Harry Potter wird vielleicht ein Viertel bis ein Fünftel des Pokemon-Themas erlösen", gibt sich der Geschäftsführer pessimistischer als sein Kollege von Toys R Us, ohne sich auf genaue Umsatzprognosen einlassen zu wollen.

Wie lange sich Harry Potter in den Verkaufsständen halten wird, hänge vom filmischen "Nachstoß" ab. Sollte bald ein zweiter Teil kommen, könne man von einer Lebensdauer von etwa zwölf Monaten ausgehen. Und wenn nicht? - Aichholzer: "Dann bleibt man drauf sitzen. Beinhart". Und was passiert, wenn Harry Potter zum Hüter der Läden wird? "Das fließt dann irgendwann ab in den osteuropäischen Markt." Aber nicht als Spende, wohlgemerkt. (APA)

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