Studiengebühr facht Inflation an

16. November 2001, 18:48
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Teuerung um 0,2 Prozentpunkte höher - Wifo: Jahresprognose hält nicht mehr

Wien - Die Einführung der Studiengebühr hat im Oktober auch zum Preisauftrieb in Österreich beigetragen. Zwei Zehntelpunkte der Inflationsrate im vergangenen Oktober sind darauf zurückzuführen. Die Teuerung blieb damit gegenüber dem Vormonat unverändert hoch.

"Die für das Gesamtjahr prognostizierte Teuerung von 2,6 Prozent ist damit nicht mehr zu halten", erklärte dazu Wolfgang Pollan, der Preisexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Denn dazu hätte es in den letzten drei Monaten des Jahres ein deutliches Einbremsen bei den Preisen geben müssen. Zu rechnen sei nun mit einer Jahresinflation von 2,7 bis 2,8 Prozent.

Die Studiengebühren schlugen sich im Bereich Erziehung und Unterricht in einem Anstieg des Preisniveaus um 32,6 Prozent im Jahresvergleich nieder. Ihre Berücksichtigung im VPI sei konform mit den einschlägigen EU-Verordnungen erfolgt, betonte die Statistik Austria. Diese würden vorsehen, dass die Dienstleistungen, die im Basiszeitraum gratis erhältlich waren und für die später ein Beitrag zu entrichten ist, ehestmöglich in den Index aufzunehmen sind.

Teure Nahrungsmittel

Neben den Studiengebühren war es vor allem die Verteuerung der Nahrungsmittel und alkoholfreien Getränke, die den Verbraucherpreisindex (VPI) nach oben trieb. Sie schlug sich mit 0,6 Prozentpunkten in der Inflationsrate nieder. "Darin schlagen sich noch die infolge von BSE-Krise und Maul- und Klauenseuche gestiegenen Fleischpreise nieder, ebenso wie die im gesamten heurigen Jahr erhöhten Preise für Saisonwaren", sagte Pollan. Auch in den Kapiteln Gesundheitspflege und Wohnen trug die Teuerung jeweils 0,3 Prozentpunkte zum VPI bei.

Inflationsdämpfend wirkte sich der starke Rückgang der Erdölpreise aus. So waren Dieseltreibstoffe im vergangenen Oktober um 14 Prozent billiger als ein Jahr zuvor. Bei Super- und Normalbenzin betrug die Preissenkung acht bzw. sieben Prozent.

Die sinkenden Ölpreise machen denn auch Hoffnung für das kommende Jahr. In diesem dürfte nämlich die Wifo-Jahresprognose einer Inflation von 1,9 Prozent deutlich unterschritten werden. Pollan: "Wir sind im vergangenen September für 2002 noch von einem durchschnittlichen Erdölpreis von 28 Dollar ausgegangen. Derzeit liegt er unter 20 Dollar." (jost, DER STANDARD, Printausgabe 17.11.2001)

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